Warme Strenge

In «Opus» lässt Christos Papadopoulos die Tänzer*innen des Opera Ballet Vlaanderen Bach-Klänge mit dem Körper hören

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Eine nackte Glühbirne hängt mittig über der weißen Bühne des Opernhauses in Antwerpen. Sie ist das einzige Objekt im Raum und bildet das Zentrum der ruhigen Szenerie, das von zwölf Tänzer*innen des Opera Ballet Vlaanderen umringt wird, Tänzer*innen, die schwarzen Baumwollstoff, Ledergürtel und Derby-Schuhe tragen. Man denkt sofort an Konzertkleidung, nur ohne jede Feierlichkeit. Die Performer*innen wirken wie Instrumentalist*innen vor ihren Partituren, die auf ihren Einsatz warten.

Christos Papadopoulos hat das ursprünglich als Quartett konzipierte «Opus» für eine größere Besetzung erweitert. Das Stück wird dadurch nicht lauter, gibt aber seine innere Funktionsweise besser zu erkennen. Bachs «Contrapunctus 1» aus «Die Kunst der Fuge» kann man nun nicht nur hören, sondern auch sehen, er wird buchstäblich ins Licht gerückt. Die Bühne wirkt wie ein weißes Blatt Papier, und jede Bewegung hinterlässt darauf ihre Spur.

Musik als Struktur nicht als Stimmung
Anfangs geschieht so gut wie nichts. Ein Kopf neigt sich, eine Hand öffnet sich, eine Wirbelsäule biegt sich um wenige Grad. Kein Körper illustriert hier die Musik, sondern jeder lauscht auf deren Druck und Dringlichkeit. Mal scheint ...

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Tanz Juni 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Nicolas Vamvouklis

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