Von wegen exklusiv
Wie leicht, wie oft entfährt sie uns, die Rede vom Besonderen, Herausgehobenen, Unvergleichlichen. Diese hochgejazzte Floskelsprache der Superlative, die, wenn nicht das Beste, Schönste, Wahrhafteste, so mindestens das Unterhaltsamste, Köstlichste, Abgefahrenste verheißt. Wie der Abend- und Morgenstern vom grauen Firmament soll sich das glitzernde Lametta eines Jargons abheben, dem es vor allem um eines geht: Sichtbarkeit herzustellen, Leuchtsignale zu setzen im unermesslich anschwellenden Strom der Bilder und Zeichen.
Allein, wenn Sinn und Bedeutung der Wörter nurmehr am Goldlack haften, der sie überzieht, verlieren sie ihre distinktive Kraft – und mit ihr die Fähigkeit, präzise eben jene eine Sache zu bezeichnen, die uns zu verführen, zu überraschen, in Bann zu schlagen verspricht wie sonst kaum etwas.
Festspiele zum Beispiel. Der Boom der Festivalkultur hat viel mit dem Bedürfnis nach Außergewöhnlichem zu tun, nach gemeinsamer Erfahrung, die dem Alltag mit seinen Zwängen und Routinen, den Zumutungen des verwalteten Lebens enthoben ist. Foren der Anschauung, des Feierns, der Kontemplation waren sie bereits im alten Ägypten und im antiken Griechenland. Was damals als kultische ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Ideen, Seite 46
von Albrecht Thiemann
Der Bühnenverein und die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger sowie die Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer e.V. haben sich auf einen neuen Manteltarifvertrag geeinigt. Er sieht, so die Pressemitteilung, «eine weitgehende Harmonisierung der Regelungen» für Solo- und Gruppentänzer vor, etwa was Probezeiten und die verpflichtende Teilnahme am...
Manche Choreografen führen heute ein nomadischeres Leben als ihre Tänzer. Shahar Binyamini macht gerade die Erfahrung. Sein Wohnsitz ist zwar Tel Aviv, doch dort weilt der Ruhelose kaum einmal, seit ihm immer mehr Kompanien aus Europa und Asien ihre Tänzer anvertrauen. Ein Choreograf wie er könnte es sich im Leben nicht leisten, sich einer Anti-Flug-Bewegung...
Die Götter sind unter uns. Wie der Actionheld eines Blockbusters wirft Herkules die Gestalten der Unterwelt von ihren langen Stelzenarmen und -beinen, auf denen sie in der Bayerischen Staatsoper in spindeldürrer Schwärze einherschreiten. Erst danach führt Apoll im strahlend weißen Kaftan das Paar wieder zusammen, das er zuvor bis über die Grenze des menschlich...
