Bloß nicht langweilen
Man unterschätzt sie so leicht: Sie fliegt als flirtende Kitri durch «Don Quixote» und strahlt wie ein Sonnenschein in «La fille mal gardée», -locker reiht sie Fouettés auf die Bühne, und ihre Grand Jetés sind in die Luft getupfte Freudensprünge. Die Spanierin mit den Ponyfransen entspricht nicht gerade dem Idealbild der langgliedrigen, großgewachsenen Modellballerina, «die Kleine» haben manche sie liebevoll genannt, als sie 2009 ins Stuttgarter Ballett kam.
Bis Elisa Badenes sehr jung zum ersten Mal «Schwanensee» tanzte und die Adagios der weißen Akte, an deren Lyrik die großen Interpretinnen ein Leben lang feilen, mit einer unendlichen Ruhe zelebrierte, mit feinem, schwebendem Port de bras und der Melancholie eines gefangenen, verwünschten Wesens. Es war eine jener Aufführungen, in denen das Publikum immer stiller wird und man irgendwann ahnt, etwas ganz Besonderem beizuwohnen. Für eine 19-Jährige, die einst bei der rhythmischen Sportgymnastik angefangen hat, als Kind kaum Ballettaufführungen sah, weil es in ihrer Heimatstadt einfach keine gab, war dieses feine Empfinden für den richtigen Stil, diese traumwandlerisch sichere Interpretation umso erstaunlicher.
Heute ist Elisa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2019
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Angela Reinhardt
Manche Choreografen führen heute ein nomadischeres Leben als ihre Tänzer. Shahar Binyamini macht gerade die Erfahrung. Sein Wohnsitz ist zwar Tel Aviv, doch dort weilt der Ruhelose kaum einmal, seit ihm immer mehr Kompanien aus Europa und Asien ihre Tänzer anvertrauen. Ein Choreograf wie er könnte es sich im Leben nicht leisten, sich einer Anti-Flug-Bewegung...
Helena Waldmann reist viel und schaut der Gesellschaft gerne in die Seele. Und so ist ihr neues, in Ludwigshafen uraufgeführtes Stück «Der Eindringling. Eine Autopsie» eine Reise ins Innerste des Menschen, in den Kern unserer (derzeitigen) Befindlichkeiten. Eine Stunde lang sind wir aufgefordert, uns selbst zu betrachten, eine Autopsie an uns selbst durchzuführen,...
Jahrbuch Fetisch
Ob Stil, Körper oder Stars – im Tanz wird vieles zum «Fetisch», weil ex-trem mit Bedeutung, Beziehung, Befindlichkeit aufgeladen. Wie das funktioniert, nimmt unser Jahrbuch 2019 ebenso in den Blick wie das Best-of der Saison
Benjamin Millepied
Als Chef des Pariser Opernballetts warf der Choreograf blitzschnell das Handtuch. Dafür leitet er nun...
