Alfredo Zinola
Die Covid-Zeit ist ein Schwamm. Die Flüssigkeit, die dieser Schwamm aufsaugt, ist Zeit. Am Anfang war der Schwamm voll, und plötzlich hatte ich Zeit, um mich um all den Rückstand kümmern zu können. Und dann war die Zeit plötzlich wieder komplett weg. Der Schwamm ist wieder trocken und saugt mehr Zeit auf als zuvor. Und falls es nicht enden wird?
Die Covid-Zeit ist ein Sieb. Was fehlt mir? Was kann weg? Ich habe das Theater nicht vermisst, die Gebäude und die Konventionen können weg.
Die Begegnung hat mir gefehlt, das Gefühl, während einer Aufführung zu einer temporären Community zu gehören, hat mir gefehlt. Ich habe entdeckt, dass ich eine Methode habe, weil ich sie nicht mehr ausüben konnte. Dann habe ich erneut «Holiday [Swieto]): The day that is holy» von Jerzy Grotowski gelesen: «Some words are dead, even though we are still using them. (…) Among such words are: show, performance, theatre, spectator etc. But what is necessary? What is alive? Adventure and meeting.» Als das Schiff sank, habe ich etwas gerettet, aber was mache ich jetzt damit?
Die Covid-Zeit ist eine Lupe. In dieser Zeit Factory Artist am tanzhaus nrw zu sein, war ein großes Privileg: zwei Jahre lang unter einem ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 34
von Alfredo Zinola
Henk van Dijk, nur wer genau bei einem Film hinschaut, wird Sie kennen: als Kameramann. Wirklich sichtbar werden Sie dem Publikum nur in «Live», einem Ballett von Hans van Manen, das zuletzt wieder an der Wiener Staatoper zu sehen war. In der Regel agieren Sie im Hintergrund.
Und das ist auch meine Absicht, unsichtbar zu bleiben. Man will dem Zuschauer ja das Bild...
Menschen wirken auf Räume ein, gestalten sie, eignen sie sich an und hinterlassen Spuren. Gleichermaßen wirkt der Raum auf den Menschen ein, ermöglicht Begegnung, aber verhindert sie auch. Diese Wechselbeziehung zwischen Raum und Mensch gilt für alle Räume, sei es ein Sakralraum, ein Theater, das eigene Zimmer, eine Schrebergartenkolonie oder eben der städtische...
Im August 2020 fing unsere erste Spielzeit als neugeformtes Ballett am Rhein an. Die Welt stand still, aber wir bewegten uns weiter. Wortwörtlich: Im Ballettsaal, im digitalen Raum und in unseren Köpfen und Herzen wurde unsere Vision für diese Compagnie weitergesponnen, vorangetrieben, vergrößert und bereichert von und mit den Menschen, die mir an den Rhein gefolgt...
