via negativa

Wozu tanzen wir? Um vom Publikum geliebt zu werden? Um uns an uns selbst abzuarbeiten? Neue Antworten auf alte Fragen kommen aus Ljubljana.

In den Armen eines Zuschauers – sie hatte ihn zu sich gebeten – raucht Katarina Stegnar röchelnd «Pina Bauschs letzte Zigarette». Makaber, denkt man. Geschmacklos, wüsste man nicht, dass das slowenische Performancekollektiv Via Negativa seine Ikonen immer schon etwas früher sterben ließ, lange vor dem Tod der Tanztheaterlegende. Neben Bausch nahmen bereits der quicklebendige Tim Etchells von Forced Entertainment, die Spanierin La ­Ribot und die Mutter aller Performancekunst, Marina Abramovic´, ihr Ableben hin.

In Anlehnung an die sieben Todsünden fallen bei Via Negativa sämtliche Ikonen der intelligenten Bühnenkünste derselben Todsünde zum Opfer: dem Neid.

«Wir töten diejenigen, die wir bewundern», sagt Bojan Jablanovec, Kopf des Kollektivs, «was bleibt einem auch anderes übrig?» Die Mitglieder von Via Negativa wollen keine Epigonen sein, sei wollen niemanden bewundern. Lieber möchten sie all die Vorbilder unaufhörlich hinterfragen und wie jeder richtige Künstler die große Kunst des unauflösbaren Widerspruchs leben. Denn «es ist so einfach zu erkennen, was man nicht tun soll, aber sehr schwer herauszufinden, was man wirklich mag», sagt Jablanovec. Reicht diese alte Weisheit für ...

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Tanz November 2010
Rubrik: produktionen, Seite 16
von Irmela Kästner

Vergriffen
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