Veit Sprenger
Ich hatte das. Es war nicht schön, weder für mich noch für das Virus. Aber wir haben es beide überstanden. Nur mein Geruchssinn ist noch eingeschränkt. Jetzt warte ich darauf, dass mir Fledermausflügel oder Schuppentierschuppen wachsen. Superheldensagas beginnen so. Allerdings wird für meinen Geschmack momentan zu viel von Helden gesprochen. Ein Heldendenkmal ist schnell aufgestellt. Meistens ist das ja eine Schummelei, um billig davonzukommen, ohne dass die Machtverhältnisse sich ändern müssen. Was gerade weiterhilft, sind eher die kleinen Dinge, die Sorgfalt erfordern.
In meinem Fall sind es die herzlichen Solidaritätsbekundungen anderer Kunstschaffender: «Hallo, was machst du so? Ich mache das und das. Machst du mit?» Zurzeit empfinde ich jeden Arbeitsauftrag als einen Liebesdienst. Kunst arbeitet, oder sie geht ein.
Daneben kommt Solidarität ausgerechnet von denen, die sonst bei jeder Gelegenheit eins auf den Deckel bekommen, nämlich von Förderinstitutionen wie der KSB, dem Fonds DaKu und noch einigen anderen. Sie standen verblüffend schnell mit Ideen bereit, die von einer fundierten Kenntnis unserer Arbeitsweisen zeugen. Die freien Spielstätten wirkten dagegen eher ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 42
von Veit Sprenger
Ich befinde mich derzeit in einer Art Zwischenwelt. In meinem unmittelbaren Umfeld war nichts, was ich als katastrophal empfunden hätte. In dem Künstlerumfeld sind alle Überlebenskünstler und prekäre Situationen gewohnt. So was wie bankrott gibt’s da nicht. Man hatte immer genau genug zum Überleben, und jetzt gerade überlebe ich auch. Es fühlt sich noch nicht an...
Danach gefragt, was so bleiben sollte, wie es ist, und was sich innerhalb und außerhalb des Theaters ändern müsste, würde ich gerne mit einer Gegenfrage beginnen: Wer sagt eigentlich, dass wir uns ändern müssen? Veränderung – die unwiderlegbare Konstante in unser aller Leben – kann niemals erzwungen werden, sonst würden wir ihr nämlich mit Sicherheit zum Opfer...
Die vergangene Tanzsaison in den Benelux-Staaten kann man in vielerlei Hinsicht als eine verlorene bezeichnen, insbesondere gilt das für Belgien. Natürlich ist der Hauptgrund die Corona-Krise, die die Performance-Szene Mitte März mit voller Wucht getroffen hat. Doch in Belgien, genauer gesagt in Flandern, wurde die Krise durch empfindliche, undurchdachte...
