Veit Sprenger

Reduktion ist besser als Simulation

Ich hatte das. Es war nicht schön, weder für mich noch für das Virus. Aber wir haben es beide überstanden. Nur mein Geruchssinn ist noch eingeschränkt. Jetzt warte ich darauf, dass mir Fledermausflügel oder Schuppentierschuppen wachsen. Superheldensagas beginnen so. Allerdings wird für meinen Geschmack momentan zu viel von Helden gesprochen. Ein Heldendenkmal ist schnell aufgestellt. Meistens ist das ja eine Schummelei, um billig davonzukommen, ohne dass die Machtverhältnisse sich ändern müssen. Was gerade weiterhilft, sind eher die kleinen Dinge, die Sorgfalt erfordern.

In meinem Fall sind es die herzlichen Solidaritätsbekundungen anderer Kunstschaffender: «Hallo, was machst du so? Ich mache das und das. Machst du mit?» Zurzeit empfinde ich jeden Arbeitsauftrag als einen Liebesdienst. Kunst arbeitet, oder sie geht ein.

Daneben kommt Solidarität ausgerechnet von denen, die sonst bei jeder Gelegenheit eins auf den Deckel bekommen, nämlich von Förderinstitutionen wie der KSB, dem Fonds DaKu und noch einigen anderen. Sie standen verblüffend schnell mit Ideen bereit, die von einer fundierten Kenntnis unserer Arbeitsweisen zeugen. Die freien Spielstätten wirkten dagegen eher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 42
von Veit Sprenger

Weitere Beiträge
Richard Siegal

Wenn es stimmt, dass die Zukunft bereits eingetreten ist – wie der US-amerikanische Science-Fiction-Autor und Erfinder des Begriffs «Cyberspace» William Ford Gibson schon 1993 verkündet hat – so ist diese Zukunft (samt ihren Errungenschaften) heute recht breit gestreut. Und das zu unserem Vorteil. Bei der globalen Rolle rückwärts in den Cyberspace, ausgelöst durch...

Produktion des Jahres: «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern» von Christian Spuck

Ritsch – an diesem Abend wird so manches Zündholz angerissen. Uns soll ein Licht aufgehen über die Auswirkungen sozialer Vereisung auf die Schwächsten. Doch dies ist kein Stück mit erhobenem Zeigefinger, sondern ein fantastisch glühendes Gesamtkunstwerk, ein Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit. Über zwanzig Jahre nach der Uraufführung 1997 in Hamburg ist Helmut...

Alan Lucien Øyen

Zum jetzigen Zeitpunkt, angesichts all der Veränderungen, die rund um den Globus im Gange sind, ist es ein schwieriges Unterfangen, sich ausschließlich Gedanken um die strukturellen Veränderungen unserer Künste zu machen. Theater und Tanz sind ja im besten Falle nur ein Spiegel unserer im Wandel begriffenen Welt.

In den letzten Monaten habe ich mit Staunen...