Samuel Wuersten
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeiten beim Tanz an der Zürcher Hochschule der Künste und beim «Holland Dance Festival» in Den Haag stelle ich fest, wie schnell und lösungsorientiert an beiden Orten gearbeitet wird in Zeiten dieser einschneidenden Krise. Ich führe das weitgehend zurück auf die Kernwerte des Tanzes: beweglich, intensiv, kreativ, unermüdlich, verbindend, bescheiden, widerstandsfähig, menschlich.
Diese Kernwerte sind in meinen beiden Mitarbeiterteams in Zürich und Den Haag und im Austausch mit einem breiten Kreis von Tanz-Kolleginnen und -Kollegen omnipräsent. Sie bilden die gemeinsame Basis, die ermöglicht, dass wir uns den Herausforderungen dieser unglaublichen Zeit stellen können. Mein Wunsch ist es, an den positiven Aspekten dieser Erfahrung auch in Zukunft festzuhalten.
Absoluter Corona-Tiefpunkt für den Tanz in den Niederlanden ist der desaströse Vorschlag des Kulturrates, dem so wichtigen wie erfolgreichen Scapino Ballet Rotterdam die nationale Subvention im 75. Jahr seines Bestehens ab 2021 zu versagen. Da nur vier Tanzkompanien im Rahmen der sogenannten Basisinfrastruktur subventioniert werden können, lautet das Hauptargument, müsse Platz für neue ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 52
von Samuel Wuersten
Ritsch – an diesem Abend wird so manches Zündholz angerissen. Uns soll ein Licht aufgehen über die Auswirkungen sozialer Vereisung auf die Schwächsten. Doch dies ist kein Stück mit erhobenem Zeigefinger, sondern ein fantastisch glühendes Gesamtkunstwerk, ein Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit. Über zwanzig Jahre nach der Uraufführung 1997 in Hamburg ist Helmut...
Die vergangene Tanzsaison in den Benelux-Staaten kann man in vielerlei Hinsicht als eine verlorene bezeichnen, insbesondere gilt das für Belgien. Natürlich ist der Hauptgrund die Corona-Krise, die die Performance-Szene Mitte März mit voller Wucht getroffen hat. Doch in Belgien, genauer gesagt in Flandern, wurde die Krise durch empfindliche, undurchdachte...
Die fundamentale Bedeutung, die zwischenmenschliche Berührung für uns Menschen hat, wird vielen wohl erst jetzt klar – in einer Krise, in der man sich nicht mehr berühren darf. All die kleinen Alltagsberührungen, zur Begrüßung, zum Abschied, aus Dank, als Anerkennung, als Aufmerksamkeit, als Trost, als Geste der Unterstützung – sie müssen wegfallen. Und...
