Samuel Wuersten
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeiten beim Tanz an der Zürcher Hochschule der Künste und beim «Holland Dance Festival» in Den Haag stelle ich fest, wie schnell und lösungsorientiert an beiden Orten gearbeitet wird in Zeiten dieser einschneidenden Krise. Ich führe das weitgehend zurück auf die Kernwerte des Tanzes: beweglich, intensiv, kreativ, unermüdlich, verbindend, bescheiden, widerstandsfähig, menschlich.
Diese Kernwerte sind in meinen beiden Mitarbeiterteams in Zürich und Den Haag und im Austausch mit einem breiten Kreis von Tanz-Kolleginnen und -Kollegen omnipräsent. Sie bilden die gemeinsame Basis, die ermöglicht, dass wir uns den Herausforderungen dieser unglaublichen Zeit stellen können. Mein Wunsch ist es, an den positiven Aspekten dieser Erfahrung auch in Zukunft festzuhalten.
Absoluter Corona-Tiefpunkt für den Tanz in den Niederlanden ist der desaströse Vorschlag des Kulturrates, dem so wichtigen wie erfolgreichen Scapino Ballet Rotterdam die nationale Subvention im 75. Jahr seines Bestehens ab 2021 zu versagen. Da nur vier Tanzkompanien im Rahmen der sogenannten Basisinfrastruktur subventioniert werden können, lautet das Hauptargument, müsse Platz für neue ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 52
von Samuel Wuersten
Es ist fast 20 Jahre her, seit Alina Cojocaru bei der «Nijinsky-Gala 2001» in Hamburg nicht nur den Pas de deux aus «Blumenfest in Genzano», sondern auch den zweiten Akt aus «Giselle» mit Ethan Stiefel tanzte. Obwohl ich Alina zuvor als faszinierende Tänzerin in London erlebt hatte, wurde dieser Gala-Auftritt in Hamburg für mich zu einer Offenbarung. Ihre...
Die französischen Opern, allen voran die Opéra National de Paris, wurden bestreikt. Teilweise wochenlang, mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Bilanz. Es ging unter anderem um Sonderregelungen bei der Rentenreform, die nicht zuletzt auch die Pariser Tänzerinnen und Tänzer ein paar Privilegien kosten sollten. Nicht alle Welt hatte Verständnis für ihre...
Alles bleibt in dem Zustand, in dem sich nichts befand, bevor die Corona-Krise eine Korrektur unserer Umweltwahrnehmung vornahm. So paradox es klingen mag, man muss die Katastrophen begrüßen, die uns zwingen, neu auf das Eingefahrene zu schauen. Ohne Anlass fällt es uns besonders schwer, die Strukturen, in denen wir leben und arbeiten, zu verändern.
Aus der Angst...
