Parkett International: Frankreich

Der Shutdown vor dem Shutdown: In Frankreich wurden erst die Opern bestreikt, dann geschlossen. Die Folgen für die große Kulturnation sind nicht abzusehen. In Erinnerung bleibt: Crystal Pites Kreation für das Pariser Opernballett

Die französischen Opern, allen voran die Opéra National de Paris, wurden bestreikt. Teilweise wochenlang, mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Bilanz. Es ging unter anderem um Sonderregelungen bei der Rentenreform, die nicht zuletzt auch die Pariser Tänzerinnen und Tänzer ein paar Privilegien kosten sollten.

Nicht alle Welt hatte Verständnis für ihre Kampfbereitschaft, aber da ja auch die Metro, die Züge, die Museen, ja weite Teile des öffentlichen Lebens stillstanden, gehörten die geschlossenen Opernportale ganz einfach zu einer Nation – im Shutdown vor dem eigentlichen Shutdown. Der kam nur ein paar Wochen später und rollte über das Land hinweg wie eine Walze. Ähnlich wie in Deutschland waren auch hier die Freelancer am härtesten betroffen, und wer geglaubt hatte, die Kulturnation Frankreich werde das Kunstschaffen für systemrelevanter halten, als es bei den Nachbarn der Fall war, der sah sich getäuscht. Es wird lange dauern, bis man wieder festen Boden unter den Füßen hat, derzeit zittern immer noch viele um die ­eigene Existenz.

Aus der radikal verkürzten Saison wird immerhin ein Ereignis in Erinnerung bleiben: Crystal Pites «Body and Soul», choreogra­fiert für 41 ...

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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Parkett International, Seite 136
von Rosita Boisseau

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