Parkett International: Frankreich
Die französischen Opern, allen voran die Opéra National de Paris, wurden bestreikt. Teilweise wochenlang, mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Bilanz. Es ging unter anderem um Sonderregelungen bei der Rentenreform, die nicht zuletzt auch die Pariser Tänzerinnen und Tänzer ein paar Privilegien kosten sollten.
Nicht alle Welt hatte Verständnis für ihre Kampfbereitschaft, aber da ja auch die Metro, die Züge, die Museen, ja weite Teile des öffentlichen Lebens stillstanden, gehörten die geschlossenen Opernportale ganz einfach zu einer Nation – im Shutdown vor dem eigentlichen Shutdown. Der kam nur ein paar Wochen später und rollte über das Land hinweg wie eine Walze. Ähnlich wie in Deutschland waren auch hier die Freelancer am härtesten betroffen, und wer geglaubt hatte, die Kulturnation Frankreich werde das Kunstschaffen für systemrelevanter halten, als es bei den Nachbarn der Fall war, der sah sich getäuscht. Es wird lange dauern, bis man wieder festen Boden unter den Füßen hat, derzeit zittern immer noch viele um die eigene Existenz.
Aus der radikal verkürzten Saison wird immerhin ein Ereignis in Erinnerung bleiben: Crystal Pites «Body and Soul», choreografiert für 41 ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Parkett International, Seite 136
von Rosita Boisseau
Wie in so vielen seiner Stücke spiegelt Akram Khan unsere Gegenwart in einem uralten Mythos, und wie so oft mahnt er uns, die alten Weisheiten ernst zu nehmen. Dieses Mal fällt seine Mahnung so düster und hoffnungslos aus, als hätte der Londoner Choreograf die große Verzweiflung des Jahres 2020 vorausgeahnt. «Outwitting the Devil» (tanz 11/19) wurde im Juli 2019...
Marco Goecke, die zurückliegende Saison war für Sie in jeder Hinsicht eine Herausforderung: erste Spielzeit als Ballettdirektor überhaupt, Amtsantritt in Hannover, Verantwortung für ein Ensemble, das seinerseits im Prozess des Zusammenfindens war, und dann noch das Publikum von der eigenen Arbeit überzeugen. Ausgerechnet während der Proben zu Ihrer ersten...
Die vergangene Tanzsaison in den Benelux-Staaten kann man in vielerlei Hinsicht als eine verlorene bezeichnen, insbesondere gilt das für Belgien. Natürlich ist der Hauptgrund die Corona-Krise, die die Performance-Szene Mitte März mit voller Wucht getroffen hat. Doch in Belgien, genauer gesagt in Flandern, wurde die Krise durch empfindliche, undurchdachte...
