tücke des objekts
Es gibt Tage, die sind für Perfektionisten der absolute Horror. Nichts läuft wie am Schnürchen. Der Wecker streikt, der Toaster rückt das Brot nicht raus, die zweite Socke hat sich aus dem Staub gemacht, und auf dem Weg zur Arbeit platzt der Fahrradreifen. An solchen Tagen drängt sich der Eindruck auf, dass die Dinge einen eigenen Willen haben, und zwar einen besonders boshaften. Dafür fand Friedrich Theodor Vischer, Ästhetiker, Philosoph und Schriftsteller, in seinem 1879 erschienenen Roman «Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft» das geflügelte Wort von der «Tücke des Objekts».
Kleinkrieg mit den Dingen
Vischers Protagonist, von dem durch die Schweiz reisenden Erzähler kurz A.E. genannt, ist ein ebenso verschnupfter wie exzentrischer Literat. Nicht nur, dass er ständig erkältet ist und durch krampfhaftes Husten in peinliche Situationen gerät, auch die Existenz verschiedener eigensinniger Alltagsgegenstände setzt ihm kräftig zu. So sehr, dass der sonst auf Anstand bedachte Mann gegen diese arglistigen
«Canaillen» und «kleinen Teufel» einen unerbittlichen Kleinkrieg führt. Wenn ihn die Wut packt, wird manches als feindlich betrachtete Ding mit vollkommener Vernichtung bestraft.
Die ...
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Tanz April 2016
Rubrik: Ideen, Seite 64
von Christine Matschke
St. Gallen hat mit seinen Tanzdirektoren wenig Glück. Philipp Egli, dem die Ostschweizer Stadt viele schöne Tanzstücke zu verdanken hatte, ging, weil ihm der Umbau der Lokremise zu lange dauerte. Sein Nachfolger Marco Santi ging, weil seine Kompanie nicht die Unabhängigkeit bekam, die er sich wünschte. Nun ist das Tanzensemble nach wie vor dem Musiktheater...
Wurzeln ranken sich entlang der grauen Zimmermauern, allerlei Geäst ragt in den kargen Bühnenraum. Halb Jagdschloss, halb Grab kündet dieses mit Kronleuchtern und Hirschgeweihen bestückte Gerippe schon im lustvollen Treiben des ersten Akts vom drohenden Absturz. Die Innsbrucker Inszenierung des einstmals skandalträchtigen Briefromans «Gefährliche Liebschaften» ist...
Zelle. Mit so einem Namen macht niemand Karriere. Margaretha Zelle war sich darüber im Klaren. Sie wollte Karriere machen, und das um jeden Preis. Also erfand sich das Meisje aus Leeuwarden eines Tages neu, erfand sich als Mata Hari und damit eine Kunstfigur, die wie geschaffen war für eine Belle Époque, in der nicht zuletzt der Exotismus wahre Triumphe feierte....
