tschechow tanzen

In Kiel zeigt Ballettdirektor Yaroslav Ivanenko die «Drei Schwestern» und verpflichtet sich der Werktreue. Der Regisseur Luk Perceval wagt es dagegen, seinen Hamburger «Kirschgarten» tatsächlich zu choreografieren

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Ein Choreograf inszeniert ein Schauspiel als Ballett. Ein Regisseur präsentiert ein Schauspiel als Tanztheater. Zwei Künstler beschäftigen sich mit letzten Werken von Anton Tschechow: Luk Perceval, Hausregisseur am Hamburger Thalia-Theater, versetzt in seiner drastisch bearbeiteten «Kirschgarten»-Fassung die Schauspieler in einen Walzertaumel am Abgrund und offenbart so neue Dimen-sionen des Textes. Yaroslav Ivanenko, Direktor des Kieler Balletts, zeigt «Drei Schwestern» und hält sich besonders akribisch an die literarische Vorlage.



Der irritierte Hamburger «Kirschgarten»-Besucher, der Tschechow-Konventionen kaum in Percevals an Pina Bausch erinnernder Ballroom-Dance-Inszenierung erkennen will, kommt eher in Kiel auf seine Kosten– ausgerechnet im Ballett, das hier mit Birken-Idylle, Samowar und Schneegeriesel geboten wird.

Anton Tschechow (1860-1904) beschreibt sowohl in der Komödie «Drei Schwestern», uraufgeführt 1901 am Moskauer Künstlertheater, wie im drei Jahre später herausgebrachten Drama «Der Kirschgarten» eine über ihre Verhältnisse lebende Gesellschaft, die sich im Kreis dreht oder auf der Stelle tritt. Das erscheint brandaktuell, spielen doch zumindest Politiker auf Zeit ...

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Tanz Juni 2012
Rubrik: produktionen, Seite 16
von Klaus Witzeling

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