Tokio
Laut der Datenbank des japanischen «Tanzjahrbuchs» fanden im Jahr 2025 allein in Tokio 1860 Tanzvorstellungen statt, zeitgenössischer Tanz und sonstige Performance-Produktionen machen über 75 Prozent davon aus. Charakteristisch für die heutige Szene sind Tänzer*innen und Choreograf*innen, die alltägliche Körpererfahrungen mit gesellschaftlichen Ereignissen verbinden. Der Körper macht dabei soziale Situationen sichtbar, die sich sprachlich oft nur schwer vermitteln lassen.
Für Reisa Shimojima und ihre Gruppe Kedagoro ist Tanz «a way to interpret this world».
Ihr Stück «Yogakimi – Berobero – Kerberos» (2024) thematisiert das historische Konzept des «Kokutai», des «Körpers des Staates», den Shimojima als monströses Wesen außerhalb der Welt versteht, das irrationale Wirklichkeiten akzeptabel machen soll. Die Bühne präsentiert fragmentarische Vorstellungen von Sportveranstaltungen, Festen, Zeremonien und Kriegen innerhalb einer Gemeinschaft im Spannungsverhältnis zum Staat. Drei riesige, rote, röhrenartige Konstruktionen erzeugen diese vieldeutigen Räume. Im letzten Akt drehen die Tänzer*innen diese Räder unaufhörlich – wie Hamster in einem Laufrad. Das Bild der Erschöpfung verweist auf ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Parkett International, Seite 156
von Takako Shibata
Mein Urgroßvater war Scherenschleifer, staatenlos, und zog mit einem Karren von Dorf zu Dorf. Die Geschichten jenseits des Hügels hat er den Leuten diesseits des Hügels weitererzählt. Manchmal mit geliehener Pracht, um sich nicht mit sich selbst zu langweilen. War sein Erzählen auch ein «Hunger nach Sinn», wie Alexander Kluge sagen würde? Dachte er sich, so und...
REBECCA AMOROSO
Wahrhaft auffallende Erscheinung: groß, blond, sehr jung – was überhaupt nicht zählt, sobald Rebecca Amoroso zu tanzen beginnt. Mit Passion und Reife, weit über ihre 22 Jahre hinaus. Tatsächlich ist die Italienerin das derzeit jüngste Mitglied von Gauthier Dance am Theaterhaus Stuttgart – mit Bedacht gewählt, wenn auch ursprünglich als Hospitantin....
Sieben Kameras filmen auf der Bühne zwei Menschen in Ganzkörperanzügen mit einer Vielzahl von Tracking-Markierungen. Die Bewegungen werden in Echtzeit verfremdet, vervielfältigt, vor und hinter die Szene projiziert. So entsteht ein virtueller Tanz von Mensch und Avatar. Ist das, was Sie mit «Mirror» machen, Spitzentechnologie?
Wir setzen in dieser Produktion eine...
