Utopie

Judith Kuckart über ihr künstlerisches Forschungsprojekt «Von Wandermenschen und Sofamenschen»

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Mein Urgroßvater war Scherenschleifer, staatenlos, und zog mit einem Karren von Dorf zu Dorf. Die Geschichten jenseits des Hügels hat er den Leuten diesseits des Hügels weitererzählt. Manchmal mit geliehener Pracht, um sich nicht mit sich selbst zu langweilen.

War sein Erzählen auch ein «Hunger nach Sinn», wie Alexander Kluge sagen würde? Dachte er sich, so und immer in Bewegung – dass es am Ende einer jeden Bewegung etwas geben muss, das bleibend ist? Hat er innere Bewegtheit und äußere Bewegung weitergegeben an eine Enkelin, die manchmal vom ihm erzählt, als hätte sie mit auf dem Scherenschleifer-Karren gesessen, weil sie überzeugt davon ist, dass Vorstellbarkeit die erste Stufe des Seins ist? So ist dann alles gekommen …

«Von Wandermenschen und Sofamenschen» habe ich unser künstlerisches Forschungsprojekt genannt. Es ist ein spartenund generationenübergreifendes Labor. Das Quietschen der Wuppertaler Schwebebahn begleitet unsere Proben im Ballettsaal des Tanztheaters, in der Lichtburg und im Pina Bausch Zentrum. Die einen performen seit Jahrzehnten und unterrichten auch zeitgenössischen Tanz. Die anderen studieren an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität ...

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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Komplizen, Seite 88
von Judith Kuckart

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