Todsünden

Von Gier bis Eitelkeit: Gauthier Dance tanzt am Stuttgarter Theaterhaus ein Panorama des Lasters, entworfen von lauter choreografischen VIPs

Vor einem Jahr holten vier Choreografen und Choreografinnen auf Einladung von Gauthier Dance den Balletthit «Schwanensee» von der Märchenseligkeit in die Gegenwart. Neben Hofesh Shechter und Marco Goecke, den beiden Resident Choreographers der Tanzkompanie am Stuttgarter Theaterhaus, stellten Marie Chouinard und Cayetano Soto den Klassiker auf den Prüfstand. Die Resultate waren zwar so unterschiedlich wie choreografische Perspektiven heute vielfältig sind. Doch das ikonische Schwanen-Bewegungsvokabular faszinierte nach wie vor und schien in allen vier Uraufführungen auf.

Nun machen es Eric Gauthier und das von ihm geleitete Ensemble noch eine Nummer größer: Statt Ballettmythos steht mit den sieben Todsünden ein katholisches Konstrukt auf dem Programm, eingerichtet von sieben namhaften Choreografen. Dass keiner der angefragten Stars Eric Gauthier abgesagt hat, unterstreicht die Bedeutung, die der kleineren der beiden Stuttgarter Kompanien in der Tanzwelt inzwischen zukommt. Und so bringt für «The Seven Sins» Sidi Larbi Cherkaoui die Habgier zum Tanzen, Aszure Barton die Trägheit, Marco Goecke die Völlerei, Marcos Morau den Hochmut, Hofesh Shechter die Wollust, Sasha Waltz den Zorn ...

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Tanz 6 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Andrea Kachelrieß

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