Tamas Detrich

Flexibilität und Schnelligkeit

Tanz - Logo

Die Krise der letzten Monate hat mir durchaus positive Erkenntnisse beschert. Die abrupte Schließung unseres Theaters hat uns und unserem Publikum vor Augen geführt, dass der bis dahin als selbstverständlich erachtete fortwährende Vorstellungsbetrieb mit seiner anscheinend endlosen Kette von Premieren, Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen nicht selbstverständlich, sondern ein kostbares Privileg ist. Ich war überglücklich, wie dankbar die Menschen waren, als wir in Windeseile ein Video-on-Demand-Programm auf die Beine gestellt haben.

Wir haben zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen, die uns sehr berührt haben. Aber alle haben auch geschrieben, wie sehr ihnen unsere Vorstellungen trotzdem fehlen. Ich glaube fest daran, dass ein verstärktes Bewusstsein für die Bedeutung der Kultur für unsere Gesellschaft – insbesondere der Live-Performances – bleiben wird.

Mir war außerdem klar, dass diese Krise eine Art Prüfstein für die hiesige Politik sein würde: Was sind ihr unsere Tänzer wert? Als das Wort «Kurzarbeit» in aller Munde war, habe ich zugegebenermaßen einige schlaflose Nächte gehabt. Also blieb ich im Dauerkontakt mit unserem zuständigen Ministerium, habe akribisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 64
von Tamas Detrich

Weitere Beiträge
Ästhetik des Abstands

In der sechsten Woche der wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Theater streamt das Hamburg Ballett «Tod in Venedig»: 2001 von John Neumeier choreografiert nach der Novelle von Thomas Mann. Es geht um einen Choreografen im von der Cholera bedrohten Venedig, er muss Abstand halten zu anderen Menschen. Aber Abstand ist ein Ding der Unmöglichkeit in der Kunst. Weil...

Tänzerin des Jahres: Alina Cojocaru

Es ist fast 20 Jahre her, seit Alina Cojocaru bei der «Nijinsky-Gala 2001» in Hamburg nicht nur den Pas de deux aus «Blumenfest in Genzano», sondern auch den zweiten Akt aus «Giselle» mit Ethan Stiefel tanzte. Obwohl ich Alina zuvor als faszinierende Tänzerin in London erlebt hatte, wurde dieser Gala-Auftritt in Hamburg für mich zu einer Offenbarung. Ihre...

Peeping Tom

In den vergangenen Monaten ist das gesellschaftliche Leben jäh zum Erliegen gekommen, und in den Theatern rund um den Globus gingen die Lichter aus. Doch diese Dunkelheit hat paradoxerweise viele Missstände in unserem gegenwärtigen System erst wirklich sichtbar gemacht: Ungleichheit, die prekäre wirtschaftliche Lage, in der sich viele Menschen befinden, die...