Johannes Öhman
Ich befinde mich am Anfang meiner Reise mit Dansens Hus, dem Gastspielhaus für zeitgenössischen Tanz in Stockholm. Diese Reise beginnt in einer Zeit, in der es gesellschaftlich um Zusammenbruch, Veränderung und Hoffnung geht, auch in der Kunst. Ich möchte mit Dansens Hus einen nachhaltigen Bestandteil der Infrastruktur des zeitgenössischen Tanzes schaffen.
Herausforderungen gibt es en masse. Die DNA der europäischen Operninstitution besteht aus einer langen Tradition, deren starre Prozesse nicht nur Form und Inhalt der Darstellenden Künste prägen.
Gruppierungen innerhalb der Institutionen kontrollieren die Gestaltung der künstlerischen Werke und positionieren sich damit als tonangebend hinsichtlich dessen, was «richtig» oder «falsch» ist, wie man mit der Kunst arbeiten soll oder künstlerischen Inhalt in eine gewisse Form bringt.
Trotz dieser eher rigiden Einstellung zum künstlerischen Prozess ist das Potenzial der Institutionen dank der verfügbaren Ressourcen und Fähigkeiten der Mitarbeiter hoch. Doch im Endergebnis gehen leider oft die künstlerischen Hochleistungen verloren.
Wenn ein*e bisher institutionsfremde*r Künstler*in engagiert wird, ist dies meist mit einer harten ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 70
von Johannes Öhman
2007 saß ich in einem Flugzeug von Melbourne nach Paris. Wir hatten gerade «The Show Must Go On» gespielt. In den Zeitungen an Bord las ich einen Artikel, in dem es hieß, dass aufgrund der Klimaerwärmung jede*r seine CO2-Emissionen reduzieren müsse. Mit mir waren 20 Tänzer*innen im Flugzeug. Sofort kam mir die Idee, künftig nicht mehr mit der ganzen Kompanie zu...
Überall sind Klagen zu vernehmen, dass in der Öffentlichkeit nicht genug über Kultur geredet wird. Dass der oberste Kassenwart nicht ein paar Milliarden auf den Tisch haut und behauptet: Ein Euro (Kultursubvention) bringt vier zurück. In dieser Simplizität stand es in der «FAZ», die ich immer noch für ein seriöses Blatt halte. Im Ernst: Haben Sie schon jemanden...
Die Krise der letzten Monate hat mir durchaus positive Erkenntnisse beschert. Die abrupte Schließung unseres Theaters hat uns und unserem Publikum vor Augen geführt, dass der bis dahin als selbstverständlich erachtete fortwährende Vorstellungsbetrieb mit seiner anscheinend endlosen Kette von Premieren, Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen nicht...
