Tänzer in Teilen
Die Liebesgedichte aus dem Mittelalter waren Gesänge vor dem Fenster der Angebeteten. Die Jungs priesen den Körper der Bewunderten von Kopf bis Fuß. Immer schön der Reihe nach. Von ihrem glänzenden Haar zum lieblichen Gesicht, und Stück für Stück immer weiter hinab, den makellosen Körper entlang bis zum zierlichen Fuß. In der orientalischen Dichtung erscheint der so besungene Körper wie eine Mahlzeit: Dein Busen apfelrund, Deine Haut weiß wie Milch, Deine Beine lang wie die Läufe der Antilope. Man hatte die Geliebte zum Fressen gern und nähme sie am liebsten mit Haut und Haar.
Das chinesische I Ging, das Buch der Weissagungen, sah die Körperteile etwas pragmatischer: «Das Schöpferische wirkt im Haupt, das Empfangende im Bauch, das Erregende im Fuß, das Sanfte in den Schenkeln.» Worauf Tänzer sich stützen, Beine und Fuß, sind auch im Fernen Osten erotisch. Über das Gesicht aber heißt es: «Das Abgründige wirkt im Ohr, der Schein im Auge, das Stillhalten in der Hand, das Heitere im Mund.»
Tanzen, denkt man, findet darum vom Hals erst abwärts statt. In einem Gelände, das Furcht und Begehren zugleich erregt. Seit je zerlegen Tänzer den Körper in Teile. Was sie überhaupt erst tanzen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf der Bühne ist der nur handgroße Kopf eine Winzigkeit. Erst vor der Kamera wird das Gesicht groß und sprechend. Eine Rolle spielt das Gesicht auf der Bühne nur dann, wenn es spricht. Ein Tänzer, der den Mund hält, trägt sein Gesicht zur Zierde. Er muss schon lächeln, seine Zahnreihen freigeben, eine Grimasse schnitzen, damit die Krone des Körpers überhaupt...
Für die einen ist das Leben eine Baustelle. Für die anderen ein Spielplatz mit bunten Luftballons. Ballons, sagt Dawna Dryhorub, symbolisieren ihre Träume. Sie hat ihre Teenager-Zeit zwar hinter sich. Dafür nehmen ihre Träume gerade erst Gestalt an. In einem Alter, wo andere nach vielen Berufsjahren über ihre Altersvorsorge nachdenken, freut sie sich über...
Seit die in Barcelona beheimatete Gruppe Increpación Danza 1997 mit ihrem grandiosen Frauenstück «Wad-ras» beim Meeting Neuer Tanz in Nordrhein-Westfalen gastierte, ist sie in regelmäßigen Abständen mit starken, ungewöhnlichen Flamenco-Choreografien nach Düsseldorf zurückgekehrt. Auch ihr neues, im Rahmen des Flamenco-Festivals im Tanzhaus NRW uraufgeführtes und...
