Strudel
Die Natur ist nicht synchron. Wellen- oder Schwarmbewegungen etwa wirken nur auf den ersten Blick synchron, wenn viele Wesen parallel in eine Richtung drängen. Aber dann trifft der Strom auf ein Hindernis, das Wasser etwa auf ein Riff. Plötzlich entfaltet sich eine Gegenbewegung als Irritation in der Synchronizität, Teile der Wassermassen strömen zurück, andere Teile strömen weiter, Moleküle ziehen sich an, andere reißen ab voneinander und gehen neue Verbindungen ein, es entsteht ein geordnetes Chaos, aus dem sich bald eine zweite, andersartige Synchronizität entwickelt.
Und so immer weiter. Der Blick auf den Ozean ist eine faszinierende Erfahrung, weil die Bewegung des Wassers ein Schauspiel ist, dessen Struktur sich unablässig verändert. Ein Theaterstück, ständig im Wandel.
John Luther Adams’ 2013 vollendetes, mit dem «Pulitzer-Preis» ausgezeichnetes und für einen Grammy nominiertes Orchesterstück «Become Ocean» zeichnet diese Bewegung kompositorisch nach: Suggestiv schwellen Streicher an und ab, Melodiebögen schaffen minimale Abweichungen. Plötzlich schert ein Instrument aus, kaum wahrnehmbar erst, dann gefolgt von einzelnen weiteren Instrumenten, schließlich hat sich eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Falk Schreiber
Sie sind Performerin, Sängerin, Dramaturgin, Pädagogin und Dozentin an der Concordia University in Montréal, Kanada. Beim Wiener «ImPulsTanz»-Festival werden Sie zwei Workshops leiten: «Voice & Movement» und «No Neutral Canvas: a personal dramaturgy». Was verstehen Sie unter «persönlicher Dramaturgie»?
Wir sprechen von der Dramaturgie einer Performance als Prozess...
Buch
The Seki Method
Der Körper – ein Ei. Eigentlich zwei Eier, die wir, von der Erde zum Himmel hängend, aufeinander balancieren: Kopf und Torso. Der Körper – ein Wasserbeutel. Eigentlich auch zwei Wasserbeutel, deren Inhalt durch die flexible Oberfläche und in Kontakt mit der Umgebung leicht in Bewegung versetzt werden kann.
Derartige Vorstellungsbilder können...
Der Tanz in Hagens Stadttheater traut sich was. In seiner Hingabe ans Zeitgenössische streckt er sich nicht nach dem Triumph von Virtuosität oder wiedererkannter Story, sondern macht sich lang, weit und spiralig, hin zum Einssein mit dem Bewegen, dem Veränderlich- und Mit-Anderen-Sein.
Taulant Shehu aus Albanien tanzte bis 2025 im Hessischen Staatsballett; in...
