Strudel
Die Natur ist nicht synchron. Wellen- oder Schwarmbewegungen etwa wirken nur auf den ersten Blick synchron, wenn viele Wesen parallel in eine Richtung drängen. Aber dann trifft der Strom auf ein Hindernis, das Wasser etwa auf ein Riff. Plötzlich entfaltet sich eine Gegenbewegung als Irritation in der Synchronizität, Teile der Wassermassen strömen zurück, andere Teile strömen weiter, Moleküle ziehen sich an, andere reißen ab voneinander und gehen neue Verbindungen ein, es entsteht ein geordnetes Chaos, aus dem sich bald eine zweite, andersartige Synchronizität entwickelt.
Und so immer weiter. Der Blick auf den Ozean ist eine faszinierende Erfahrung, weil die Bewegung des Wassers ein Schauspiel ist, dessen Struktur sich unablässig verändert. Ein Theaterstück, ständig im Wandel.
John Luther Adams’ 2013 vollendetes, mit dem «Pulitzer-Preis» ausgezeichnetes und für einen Grammy nominiertes Orchesterstück «Become Ocean» zeichnet diese Bewegung kompositorisch nach: Suggestiv schwellen Streicher an und ab, Melodiebögen schaffen minimale Abweichungen. Plötzlich schert ein Instrument aus, kaum wahrnehmbar erst, dann gefolgt von einzelnen weiteren Instrumenten, schließlich hat sich eine ...
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Tanz Juni 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Falk Schreiber
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