Stephanie Thiersch
Mit Sicherheit kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt in der künstlerischen Laufbahn einen der Shutdown erwischt hat. Mich hat er nach 25 Jahren Freelancing erwischt, just in einem Moment, in dem ich mich mit Top-Kompliz*innen etwas traue, nämlich große Gemeinschaften von Künstler*innen einzuladen für choreografisch-musikalische Fresken auf der Bühne oder, wie in diesem Jahr, auf einer architektonischen Landschaft. Der Weg dahin war nicht sehr glatt, viele Verhandlungen, viele Anträge, viele Risikoabwägungen, egal. 2020 ist unser Jahr. Jetzt ist erst mal alles weg. Heute, am 12.
Juni, ereilt uns die Absage unseres letzten verbliebenen Gastspiels aus Brüssel.
«Hello to Emptiness» – so lautet der Arbeitstitel der für 2021 vorgesehenen Produktion von MOUVOIR/Stephanie Thiersch zu Bewegungen des Trauerns, ausgehend von griechischen Klagegesängen. Seit Februar 2020 habe ich keinen Probenraum betreten. Ich könnte das – ich will es nur nicht. Denn ich frage mich natürlich, für was genau ich proben soll. Ein Corona-Stück? Give me a break. Podcasts, Talkshows, unendliche Digital-Meetings, mediale «Bilderschlachten» (Titel unseres jüngsten, im Mai in Nîmes aufgeführten Stücks) umkreisen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 78
von Stephanie Thiersch
In einer Welt ohne Covid-19 hätte die italienische Festival-Saison Anfang Juni begonnen, und wir könnten nun fleißig Neuproduktionen beurteilen. Stattdessen leben wir in einer Zeit der Unsicherheit und des Stillstands, den nicht allein die Pandemie verursacht hat, sondern mehr noch die uneindeutige Haltung der Politik gegenüber den performativen Künsten. Schon ganz...
Danach gefragt, was so bleiben sollte, wie es ist, und was sich innerhalb und außerhalb des Theaters ändern müsste, würde ich gerne mit einer Gegenfrage beginnen: Wer sagt eigentlich, dass wir uns ändern müssen? Veränderung – die unwiderlegbare Konstante in unser aller Leben – kann niemals erzwungen werden, sonst würden wir ihr nämlich mit Sicherheit zum Opfer...
1. Aufführung des Jahres / Production of the Year
2. Choreograf/in des Jahres / Choreographer of the Year
3. Tänzerin des Jahres / Female Dancer of the Year
4. Tänzer des Jahres / Male Dancer of the Year
5. Kompanie des Jahres / Company of the Year
6. Erfreulich war ... / Positive development
7. Ärgerlich war ... / Negative development
Andrea Amort, Wien, frei...
