Peeping Tom
In den vergangenen Monaten ist das gesellschaftliche Leben jäh zum Erliegen gekommen, und in den Theatern rund um den Globus gingen die Lichter aus. Doch diese Dunkelheit hat paradoxerweise viele Missstände in unserem gegenwärtigen System erst wirklich sichtbar gemacht: Ungleichheit, die prekäre wirtschaftliche Lage, in der sich viele Menschen befinden, die randständige Existenz vieler Kunstschaffender.
Uns beschert diese Krise eine veritable Gelegenheit zur Veränderung; allerdings müssen sich nicht die Künstlerinnen und Künstler verändern, sondern die Gesellschaft als Ganzes: global, kollektiv, politisch.
Es scheint uns ein schwieriges Unterfangen zu sein, nun alle Kunstschaffenden nach schnellen Lösungen zur Anpassung ihrer Arbeitsweisen an den neuen gesundheitspolitischen Kontext zu befragen bzw. von ihnen zu verlangen, gänzlich neue Formen ihrer Berufsausübung zu entwickeln. Es braucht stattdessen einen langsamen Prozess, der viel gemeinsames Nachdenken erfordert. Wir stellen uns daher eher die Frage, wie sich die derzeitige Krise auf die kommenden Jahre auswirken und wie sie die Künste und schöpferischen Prozesse beeinflussen wird. Wir alle sind Menschen, die gegenwärtig ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 51
von Gabriela Carrizo und Franck Chartier
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeiten beim Tanz an der Zürcher Hochschule der Künste und beim «Holland Dance Festival» in Den Haag stelle ich fest, wie schnell und lösungsorientiert an beiden Orten gearbeitet wird in Zeiten dieser einschneidenden Krise. Ich führe das weitgehend zurück auf die Kernwerte des Tanzes: beweglich, intensiv, kreativ, unermüdlich,...
Wenn Prinzessin Aurora im Rosen-Adagio von «Dornröschen» in Balance steht, wenn sie die Hände ihrer vier Bewerber jeweils für einen kurzen Moment loslässt, um in erhabener Ruhe auch ihren zweiten Arm über dem Kopf zu runden, dann ist das, vielleicht weil es derart selten in Perfektion geschieht, ein Moment echter Magie. «Bras en couronne» heißt die Armhaltung und...
Es ist fast 20 Jahre her, seit Alina Cojocaru bei der «Nijinsky-Gala 2001» in Hamburg nicht nur den Pas de deux aus «Blumenfest in Genzano», sondern auch den zweiten Akt aus «Giselle» mit Ethan Stiefel tanzte. Obwohl ich Alina zuvor als faszinierende Tänzerin in London erlebt hatte, wurde dieser Gala-Auftritt in Hamburg für mich zu einer Offenbarung. Ihre...
