She she pop

Kunst ist relevant. Sie infrage zu stellen kann nie schaden. Reflexion über Kunst ergibt im Glücksfall einen ätzend selbstironischen, kläglich komischen und zur Nachdenklichkeit ermunternden Abend, findet Klaus Witzeling – wie die «Relevanz-Show»

Tanz - Logo

Der weiblichen Pop-Theater-Institution gelingt sozusagen eine «altersreife», nie abgeklärte, immer noch bissig kämpferische Bilanz. Eine Abrechnung mit dem Entertainment im Trash-Revueschwung. Und parallel dazu der szenische Diskurs über Performance Art und deren (finanziell beengten) Produktionsbedingungen.

Denn die vier Damen und der Mann springen nicht nur zu improvisierten Soli ins Scheinwerferlicht, sondern übernehmen für ihre Bühnenaktionen auf Kampnagel in Hamburg die unverzichtbaren Helferrollen hinter und auf der Szene: Sie dienen uneitel – doch mit aufmüpfigem Seht-Her-Blick «Wir können und machen doch alles selber!» – als Chorus-Girl, Garderobiere, Inspizientin, Moderator, Musiker, Techniker und als weltbedeutende Bretter wischende Putze.

Zweifellos noch relevanter für die Performer ist der Zuschauer. Denn ohne ihn könnten sie bei ihrem intelligent-kritischen Eiertanz mit dem überstrapazierten Relevanz-Begriff einpacken. Schon zu Beginn schenken sie dem Gast das Gefühl, relevant zu sein, begrüßen ihn offenherzig gekleidet per Handschlag und rekrutieren ihn einladend als ihre Fan- und Girl-Gruppe, Produzenten und Meinungsmacher, die auf roten Kissen im Saal lautstark die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2007
Rubrik: Tanzkunst, Seite 56
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Robyn Orlin an der Pariser Opéra

Bilder vom Schlosspark in Versailles grüßen von der Bühne des Palais Garnier. Barock ist wieder in, wie die Hauptstadt Berlin mit dem geplanten Wiederaufbau seines Stadtschlosses beweist. Frankreich beispielsweise wird geradezu überschwemmt von einer Welle von Büchern und Filmen über das tragische Schicksal der liebenswerten Marie-Antoinette. Und wer ist Nicolas...

Josef Nadj & Miquel Barcelo: "Paso doble"

Das Stück überstrahlte des Festival d’Avignon 2006 und war gleichzeitig die Aufführung mit den wenigsten Zuschauern. Hart war der Kampf um Eintrittskarten in der kleinen Eglise des Célestins. Aus solchem Stoff werden Mythen gestrickt.
«Paso doble» war eine der radikalsten Performances der letzten Jahre und dazu eine der sinnlichsten. Jede der zwölf  Aufführungen...

Forsythe-Schüler: Nik Haffner, Thomas McManus, Andris Plucisor

Gleich drei ehemalige Forsythe-Tänzer lässt der Ulmer Ballettchef Andris Plucis mit ­seinem zehnköpfigen Ensemble arbeiten.  Thomas McManus und  Nik Haffner  machten den Anfang; Marc Spradling folgte am 24. Mai mit «Pierrot lunaire» und «Lieder eines fahrenden Gesellen». Ob die Frankfurter Schule Garant für Kreativität ist, entscheidet sich jedoch nur fallsweise....