Alain Platel

Lebenslust als Rebellion

Ich zitiere sehr häufig einen Satz aus Amin Maaloufs Buch «Le Dé­règlement du Monde» («Die Auflösung der Weltordnungen»): In ­Krisenzeiten sollte man (viel mehr!) in Kultur, Wissenschaft und Bildung investieren, denn kreative Lösungen dürfen wir von den Banken nicht erwarten.

Das ist alles.

Weitere Antworten auf die Frage, was bestehen bleiben muss und was sich innerhalb und außerhalb des Theaters ändern sollte, braucht es meines Erachtens nicht.

Ich bin absolut zuversichtlich, dass im ­Theater und in den Künsten allgemein genügend Vernunft, Intelligenz und Wagemut existieren, um etwas – was auch immer – zu bewegen.

Unser Hauptanliegen als Künstler sollte sein: die Welt mit unbändiger Neugier zu beobachten, die Geschehnisse zu kommentieren und ­Alternativen zu unterbreiten, wie man das Leben, das zu leben sich niemand ausgesucht hat, betrachten und leben kann.

Vielleicht noch ein persönlicher Gedanke: Die westliche Kunst ist eine Meisterin in der Darstellung menschlichen Leidens. Leid und Schmerz gehören möglicherweise zu den seltenen Erfahrungen, die wirklich allen Menschen auf diesem Planeten gemein sind. Sollte daran je ein Zweifel bestanden haben – spätestens jetzt haben wir ...

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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 68
von Alain Platel