saarbrücken: marguerite donlon «blue»

Leere Plastikflaschen, wohin man sieht. Akkurat in Reihen aufgestellt, wie ein Soldatenheer, das auf Befehle wartet. In den Lücken versucht eine Tänzerin Schritte zu lancieren, mit Spitzenschuh und mit Hilfe ihres Partners, der sie immer wieder hochhebt, dreht und behutsam auf sicherem Terrain absetzt. Vorn am Bühnenrand räkelt sich eine elfenhafte Figur; sie trägt einen enormen Schleier aus Plas-tikfolie, der bei jeder Bewegung sanfte Wellen schlägt.

Kaori Nomura am Piano und Julien Blondel am Violoncello schweben auf einer Plattform und begleiten live die Szenerie.

Die künstliche Schönheit dieses Arrangements fasziniert, hat aber auch schnell ein Ende. Marguerite Donlon hält sich nicht lange mit «Weichzeichnern» auf. Ihr geht’s mehr um die «Weichmacher» und andere gefährliche Bestandteile von Plastik.

Die Idee für das Stück kam ihr, als sie den Bankiersohn und Umweltaktivisten David Mayer de Rothschild traf. Der schipperte 2010 mit seinem Plas­tikfloß zum Great Gar­bage Patch, dem Müllfleck im Pazifik, um auf die riesigen Müllmengen aufmerksam zu machen, die sich dort strömungstechnisch angesammelt haben.

Marguerite Donlon beschäftigte sich ausgiebig mit Plastik, von der ...

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Tanz Januar 2012
Rubrik: kalender und kritik, Seite 44
von Natali Kurth

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