Rudolf Rach
Überall sind Klagen zu vernehmen, dass in der Öffentlichkeit nicht genug über Kultur geredet wird. Dass der oberste Kassenwart nicht ein paar Milliarden auf den Tisch haut und behauptet: Ein Euro (Kultursubvention) bringt vier zurück. In dieser Simplizität stand es in der «FAZ», die ich immer noch für ein seriöses Blatt halte. Im Ernst: Haben Sie schon jemanden gehört, der bedauert, dass die Theater geschlossen sind? Ja, die Schauspieler, Tänzer, Musiker klagen.
Aber die Zuschauer? Meine Nachbarin stöhnt, dass sie das erste beste Flugzeug nehmen wird, wenn der «Wahnsinn» ein Ende hat. Wahnsinn? Die Natur ist fleißig, arbeitet Tag und Nacht, während der Mensch zur Bequemlichkeit neigt. Mein Bruder möchte unbedingt wieder ins Fußballstadion. Das verstehe ich schon eher. Aber ins Theater? Leider bin ich noch auf niemanden getroffen, der das Theater so vermisst, dass er in Wehklagen verfällt; der fühlt, dass es ihm fehlt. Und auf dieses Gefühl kommt es an.
Als mich die Anfrage erreichte, ob mir zur Corona-Krise etwas Kulturbezogenes einfällt, dachte ich: Da kann man sich nur die Finger verbrennen. Bis die Frau meines Verlegers sagte: Sie haben nichts zu verlieren, Sie können sich aus ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 60
von Rudolf Rach
Wenn es stimmt, dass die Zukunft bereits eingetreten ist – wie der US-amerikanische Science-Fiction-Autor und Erfinder des Begriffs «Cyberspace» William Ford Gibson schon 1993 verkündet hat – so ist diese Zukunft (samt ihren Errungenschaften) heute recht breit gestreut. Und das zu unserem Vorteil. Bei der globalen Rolle rückwärts in den Cyberspace, ausgelöst durch...
Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeiten beim Tanz an der Zürcher Hochschule der Künste und beim «Holland Dance Festival» in Den Haag stelle ich fest, wie schnell und lösungsorientiert an beiden Orten gearbeitet wird in Zeiten dieser einschneidenden Krise. Ich führe das weitgehend zurück auf die Kernwerte des Tanzes: beweglich, intensiv, kreativ, unermüdlich,...
Die Krise der letzten Monate hat mir durchaus positive Erkenntnisse beschert. Die abrupte Schließung unseres Theaters hat uns und unserem Publikum vor Augen geführt, dass der bis dahin als selbstverständlich erachtete fortwährende Vorstellungsbetrieb mit seiner anscheinend endlosen Kette von Premieren, Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen nicht...
