Rudolf Rach
Überall sind Klagen zu vernehmen, dass in der Öffentlichkeit nicht genug über Kultur geredet wird. Dass der oberste Kassenwart nicht ein paar Milliarden auf den Tisch haut und behauptet: Ein Euro (Kultursubvention) bringt vier zurück. In dieser Simplizität stand es in der «FAZ», die ich immer noch für ein seriöses Blatt halte. Im Ernst: Haben Sie schon jemanden gehört, der bedauert, dass die Theater geschlossen sind? Ja, die Schauspieler, Tänzer, Musiker klagen.
Aber die Zuschauer? Meine Nachbarin stöhnt, dass sie das erste beste Flugzeug nehmen wird, wenn der «Wahnsinn» ein Ende hat. Wahnsinn? Die Natur ist fleißig, arbeitet Tag und Nacht, während der Mensch zur Bequemlichkeit neigt. Mein Bruder möchte unbedingt wieder ins Fußballstadion. Das verstehe ich schon eher. Aber ins Theater? Leider bin ich noch auf niemanden getroffen, der das Theater so vermisst, dass er in Wehklagen verfällt; der fühlt, dass es ihm fehlt. Und auf dieses Gefühl kommt es an.
Als mich die Anfrage erreichte, ob mir zur Corona-Krise etwas Kulturbezogenes einfällt, dachte ich: Da kann man sich nur die Finger verbrennen. Bis die Frau meines Verlegers sagte: Sie haben nichts zu verlieren, Sie können sich aus ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 60
von Rudolf Rach
Trotz einer virusbedingt verstümmelten Saison konnten die Fans des klassischen Balletts in Russland zwei bemerkenswerte Premieren erleben. Eine davon, die Petipa-Rarität «Der Talisman» von 1889, rekonstruierte der in Japan lebende Bolschoi-Akademie-Absolvent Alexander Mishutin am Staatlichen Opern- und Balletttheater von Ulan-Ude, der Hauptstadt der russischen...
Gabriele Naumann-Maerten, viele Menschen hatten zuletzt sehr viel Zeit und haben sich Gedanken gemacht über sich, ihre Karriere, ihre Zukunft. Spürt man die Ergebnisse dieser Zweifel auch in der Praxis des Coaching, bei der Beratung von Menschen, die etwas bei sich oder in ihren Firmen ändern wollen? Alle Menschen, wenn sie in Veränderungsphasen sind, fragen sich:...
Tanzen, singen und sprechen mit Mundschutz und sechs Metern Abstand – wie soll das gehen? Wenn wir dabei nicht ersticken oder zumindest kollabieren, wird uns natürlich schon irgendwas einfallen – denn wir sind ja immer kreativ. Oder? Aber Spaß oder Sinn macht das nicht. Wie etwas darstellen ohne Nähe, ohne Raum, ohne (Gesichts-)Ausdruck und dann auch noch vor fast...
