Ben J. Riepe

Tanzen, singen und sprechen mit Mundschutz und sechs Metern Abstand – wie soll das gehen? Wenn wir dabei nicht ersticken oder zumindest kollabieren, wird uns natürlich schon irgendwas einfallen – denn wir sind ja immer kreativ. Oder? Aber Spaß oder Sinn macht das nicht. Wie etwas darstellen ohne Nähe, ohne Raum, ohne (Gesichts-)Ausdruck und dann auch noch vor fast leeren Sälen? Wie soll das gehen für eine Kunst, die von der Nähe, der Gemeinschaft, von ­Direktheit und unmittelbarer Reaktion lebt? Helge Schneider hat angekündigt, dass er in Rente gehe.

Vor Autos und Bildschirmen möchte er nicht auftreten. Seine Kunst lebe von der Begegnung, dem Live-Charakter. Ich kann ihn verstehen. Es sieht düster aus für die Darstellenden Künste. Wann also geht es wieder ganz zurück zur Normalität? Wird es überhaupt jemals zurückgehen zum Bekannten, Vertrauten, Status quo (ante)? Soll es das überhaupt? Oder ist es nicht gerade eine Chance, unser Gesamtkonstrukt der Kunstproduktion endlich neu zu denken? Endlich aufzuräumen?

Schauen wir globaler auf das ganze Geschehen, sind wir ja inmitten einer noch viel schlimmeren, schleichenden und alles verheerenden Krise: der Klimakrise. Nicht nur, dass ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Zukunft der Kunst, Seite 96
von Ben J. Riepe

Weitere Beiträge
Florentina Holzinger

Ich befinde mich derzeit in einer Art Zwischenwelt. In meinem unmittelbaren Umfeld war nichts, was ich als katastrophal empfunden hätte. In dem Künstlerumfeld sind alle Überlebenskünstler und prekäre Situationen gewohnt. So was wie bankrott gibt’s da nicht. Man hatte immer genau genug zum Überleben, und jetzt gerade überlebe ich auch. Es fühlt sich noch nicht an...

Kompanie des Jahres: Ballett Zürich

Wenn Ballettdirektor Christian Spuck in seinen Vorstellungen im Opernhaus Zürich sitzt, beobachtet er regelmäßig Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich recht abenteuerlich gebärden. Sie biegen sich um eine Säule herum und lehnen sich in luftiger Höhe weit über die unteren Reihen hinaus, um mindestens ein bisschen etwas von der fabelhaften Darbietung des Ballett...

Johannes Öhman

Ich befinde mich am Anfang meiner Reise mit Dansens Hus, dem Gastspielhaus für zeitgenössischen Tanz in Stockholm. Diese Reise be­ginnt ­in einer Zeit, in der es gesellschaftlich um Zusammenbruch, Veränderung und Hoffnung geht, auch in der Kunst. Ich möchte mit Dansens Hus einen nachhaltigen Bestandteil der Infrastruktur des zeitgenössischen Tanzes schaffen.

Heraus...