Ben J. Riepe
Tanzen, singen und sprechen mit Mundschutz und sechs Metern Abstand – wie soll das gehen? Wenn wir dabei nicht ersticken oder zumindest kollabieren, wird uns natürlich schon irgendwas einfallen – denn wir sind ja immer kreativ. Oder? Aber Spaß oder Sinn macht das nicht. Wie etwas darstellen ohne Nähe, ohne Raum, ohne (Gesichts-)Ausdruck und dann auch noch vor fast leeren Sälen? Wie soll das gehen für eine Kunst, die von der Nähe, der Gemeinschaft, von Direktheit und unmittelbarer Reaktion lebt? Helge Schneider hat angekündigt, dass er in Rente gehe.
Vor Autos und Bildschirmen möchte er nicht auftreten. Seine Kunst lebe von der Begegnung, dem Live-Charakter. Ich kann ihn verstehen. Es sieht düster aus für die Darstellenden Künste. Wann also geht es wieder ganz zurück zur Normalität? Wird es überhaupt jemals zurückgehen zum Bekannten, Vertrauten, Status quo (ante)? Soll es das überhaupt? Oder ist es nicht gerade eine Chance, unser Gesamtkonstrukt der Kunstproduktion endlich neu zu denken? Endlich aufzuräumen?
Schauen wir globaler auf das ganze Geschehen, sind wir ja inmitten einer noch viel schlimmeren, schleichenden und alles verheerenden Krise: der Klimakrise. Nicht nur, dass ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Zukunft der Kunst, Seite 96
von Ben J. Riepe
Ritsch – an diesem Abend wird so manches Zündholz angerissen. Uns soll ein Licht aufgehen über die Auswirkungen sozialer Vereisung auf die Schwächsten. Doch dies ist kein Stück mit erhobenem Zeigefinger, sondern ein fantastisch glühendes Gesamtkunstwerk, ein Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit. Über zwanzig Jahre nach der Uraufführung 1997 in Hamburg ist Helmut...
In den vergangenen Monaten ist das gesellschaftliche Leben jäh zum Erliegen gekommen, und in den Theatern rund um den Globus gingen die Lichter aus. Doch diese Dunkelheit hat paradoxerweise viele Missstände in unserem gegenwärtigen System erst wirklich sichtbar gemacht: Ungleichheit, die prekäre wirtschaftliche Lage, in der sich viele Menschen befinden, die...
Ich zitiere sehr häufig einen Satz aus Amin Maaloufs Buch «Le Dérèglement du Monde» («Die Auflösung der Weltordnungen»): In Krisenzeiten sollte man (viel mehr!) in Kultur, Wissenschaft und Bildung investieren, denn kreative Lösungen dürfen wir von den Banken nicht erwarten.
Das ist alles.
Weitere Antworten auf die Frage, was bestehen bleiben muss und was sich...
