Roni Haver, Guy Weizman «Körperfestung/Herzog Blaubarts Burg»
Blaubarts Burg ist ein weißgekachelter Saal, auch das Orchester findet auf der Bühne des Braunschweiger Staatstheaters darin Platz. Käfige hängen von der Decke, Tänzer recken sich an den Wänden, bilden in Roni Havers Choreografie eine verschreckte, ergebene Gruppe um Herzog Blaubart und seine «Körperfestung», wie Bela Bartóks Oper in der Koproduktion von Musiktheater und Tanzensemble hier im Untertitel heißt.
Guy Weizman inszeniert das klinische Psychogramm eines hochtoxischen Machtmenschen, in dessen blutige Geheimnisse Judith Tür um Tür eindringt.
Nicht zuletzt die Kostüme von Maison the Faux aus Häuten und falschen Geschlechtsteilen sowie nahtähnliche Piercings lassen an den Filmkannibalen Hannibal Lecter denken. Da werden die Opfer (Rei Okunishi und Noriko Nishidate) von den Tanzenden in schwarzen Latexkitteln mit langen Stangen und Haken bewegt, als seien sie Objekte im Schlachthaus.
Mezzosopranistin Charlotte Hellekant fügt sich perfekt in die Tanzenden, zieht durch ihre Zuwendung mehr und mehr der Opfer an sich. Als sich der maliziöse Blaubart-Sänger Michael Mrosek seine Mörderhandschuhe überstreift, Tänzer Giovanni Fumarola als sein Alter Ego die Köpfe der Opfer brutal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2024
Rubrik: Backlights, Seite 47
von Andreas Berger
Der Mensch als Material, wie ein Klumpen Lehm oder Ton. Wer ist es, der ihn knautscht, an ihm zupft, ihn streichelt, haut, zerteilt? Das fragt Shahar Binyaminis «More than». So wie das Vergleichswort im Titel fehlt, grundiert Unvollständigsein die anregende Choreografie: etwas zu tun oder zu sein, aber nur fast. Nie fertig. Zu Beginn des Stückes, das in Bonn im...
Blaubeuren ist eine Kleinstadt am Fuß der Schwäbischen Alb. Es gibt eine pitoreske Altstadt, es gibt Industrie mit Schwerpunkt auf Pharmazeutika, es gibt ein ehemaliges Kloster und den beeindruckenden Quelltopf des Flüssleins Blau. Und es gibt ein atemberaubendes Panorama von Karstfelsen, die das Städtchen einrahmen und in denen sich karsttypisch größere und...
DIE GLASMENAGERIE
Abschiedsrunde für John Neumeier beim Hamburg Ballett – das ist nicht nur mit seiner letzten Uraufführung (S. 31) verbunden und mit einem Filmporträt (S. 61), sondern auch mit einer Erstausstrahlung bei Arte: «Die Glasmenagerie» nach Tennessee Williams hat der Choreograf im Dezember 2019 (tanz 1/20) herausgebracht, mit einer fulminanten Alina...
