Rettet den Striptease

Aus der Uniformität in die Freiheit der Kunst: Der Strip-Act ist wieder da. Dafür sorgen Wim Vandekeybus, Alain Platel, Vera Mantero und viele andere seriöse Choreografen. Thomas Hahn sah’s durchs Schlüsselloch

Tanz - Logo

Wenn Universitätsprofessoren sich für eine Kunstform interessieren, ist das ein Zeichen dafür, dass sie ziemlich tot ist. Wenn eine Form der Unterhaltungsindus­trie im Sterben liegt, dann hat sie eine Notrufnummer: Call an artist! Gleich im Sechserpack. Rettet den Striptease! Die Kunst hat auch sonst schon stillgelegten Fabrikhallen und Kirchen neues Leben eingehaucht. Auch die Stripperinnen selbst zweifeln an der Zukunft ihres Metiers. Der männliche Kunde bringe die Geduld nicht mehr auf, die Hüllen so langsam fallen zu sehen. Trieb bedeutet schneller Konsum.

Erotik kapituliert vor der Pornografie.

«Zumindest in Belgien ist das so», sagt Dirk Pauwels von der belgischen Theatergruppe Victoria, der die Idee zu «Nachtschatten» (Nightshade) hatte und das Ereignis produzierte. Warum sollte Belgien eine Ausnahme sein? Stirbt der Striptease, steht die professionelle Stripperin am Scheideweg. Entweder wird sie Kellnerin oder Künstlerin. Sechs Stripperinnen und ein Stripper stehen in «Nachtschatten» auf der Bühne, gecoacht von der choreografischen Avantgarde aus Belgien, Italien und Portugal, von Alain Platel und Wim Vandekeybus bis Vera Mantero und Caterina Sagna über Johanne Saunier, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2006
Rubrik: Report, Seite 4
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tadashi Endo

Tadashi Endo, 1947 in Peking geboren, ist Butoh-Tänzer, Choreograf, Leiter des Butoh Centrum MAMU  und des Butoh-Festivals MAMU Butoh & Jazz in Göttingen. Nach seinem Regie-Studium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien entwickelte er nach einer Begegnung mit Kazuo Ohno seine spezifische Art des Butoh, die er auch als Pädagoge weiter vermittelt. Zu seinen bekannten Soli...

Unsere Zukunft

Erwachsene haben es gut. Sie kennen schon alles. Und was sie nicht kennen,  interessiert sie nicht. Wäre das die Haltung von Schülern, die meisten würden 24 Stunden Playstation-Action mit beiden Daumen wegdrücken, aber bloß nicht ihren Arsch, geschweige denn ihr Bein hochkriegen. Gut, dass es Erwachsene gibt, die nicht länger zusehen können, wie ihre Kinder mit...

Sasha Waltz

Sasha Waltz hat ein Ziel: 60 Vorstellungen im Jahr in Berlin. Warum? Die Schaubühne, die ihr dortiges Repertoire (u. a. «Körper») aufrecht erhält, die Staatsoper (nach «Dido & Aeneas» plant sie hier «Medea») und das Radialsystem, der Kunstort ihres Mannes, den sie mit «Dialoge 06 – Radiale Systeme» effektvoll eröffnete, bilden plus ihrer Kinder- und Jugendarbeit...