Reiner Feistel «Charlie»
«Wenn ich den Kerl erwische, bringe ich ihn um.» So soll ein Tanzstar seinen Neid auf Charles Chaplin artikuliert haben. Als Kind trat Charlie tatsächlich mit einer Tanzgruppe auf, um die familiäre Armut zu lindern. Auswärtsgang und Körperplastik rückten seine spätere Hauptfigur, den traurigen Tramp, in die Nähe des Tanzes; choreografisch präzis waren die Rolle und ihre Aktionen immer angelegt. Bereits mehrfach hat sich der Bühnentanz jenes Chaplin angenommen. Reiner Feistel in Radebeul nennt seinen Zweiteiler «Charlie», auch wenn sich nur der erste Teil um die Filmikone rankt.
Der seit elf Spielzeiten an den Landesbühnen Sachsen engagierte Choreograf vermeidet aber die getanzte Biografie. Sein Charlie ist ein arbeitslos gewordener Künstler unserer Tage, ohne Schnauzer, Melone und Stöckchen. Die vom Band tönende Stimme seiner Arbeitsberaterin versetzt ihn in Panik; nicht vermittelbar, lautet ihre Diagnose. Aufhängen will er sich mit eckig kantigem Gestus, legt Mütze und Sakko ab. Doch zu Chaplins freundlich elegantem Slow-waltz «Eine Melodie bringt Freud’ und Leid» funktioniert das schlecht. So entschlummert er mit einer weißen Blume und träumt sich episodisch in jene Welt, die ...
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