Reginaldo Oliveira «DORNRÖSCHEN»
Was heißt es, wirklich wach zu sein? Wo sind wir, wenn wir träumen? Gibt es ein Dazwischen? Diese oder ähnliche Fragen müssen Reginaldo Oliveira, den choreografierenden Ballettdirektor des Landestheaters Salzburg, für seine Interpretation von «Dornröschen» beschäftigt haben. Entstanden ist ein Ballett, das sich zu unterhalten traut und gleichzeitig zum Nachdenken einlädt. Es gibt keinen hundertjährigen Schlaf und keine zwei Zeiten – eher zwei Welten oder Wirklichkeiten.
Aurora wird hineingeboren in die bunte und fürsorgliche Welt der Feen, in der zwar allerhand Possierliches passiert, deren zuckersüßer Oberfläche es allerdings an Tiefe mangelt. Erst die Begegnung mit der von den anderen gefürchteten Fee Carabosse weckt in Aurora den unbestimmten Wunsch, auf die Suche zu gehen. Choreografisch arbeitet Oliveira im ersten Teil mit den Mitteln des klassischen Balletts, allerdings quasi geschüttelt und gerührt. Manches ist ein wenig albern geraten und mindestens Geschmackssache, aber besonders in den Variationen zeigt sich sein handwerkliches Können. Aurora ist furchtlos und waghalsig choreografiert, mit Lust auf Action, und Mikino Karube verkörpert die Figur mit Stärke, jugendlicher ...
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Tanz Juni 2024
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Carmen Kovacs
Achtzigmal schlagen vier Männer mit vier Kilo schweren Hämmern auf eine Stahlplatte am Boden: ohrenbetäubend. Das gleißende Licht einer Scheinwerferreihe blendet wie Glut in Hochöfen. Susanne Linkes legendäres Werk «Ruhr-Ort» von 1991 macht den harten Arbeitsalltag der Berg- und Stahlarbeiter körperlich ahnbar: Linke will die Maloche darstellen. «Ruhr-Ort» ist...
Die Freiheit führt das Volk. Manches an Marcos Moraus «Overture» am Staatsballett Berlin erinnert an Eugène Delacroix’ ikonografisches Revolutionsgemälde «La Liberté guidant le peuple» von 1830: Ein Bauwerk will erichtet werden, eine griechische Säule, was man nicht überinterpretiert, wenn man darin den Anfang von antiker Demokratie und abendländischer Kultur...
DIE GLASMENAGERIE
Abschiedsrunde für John Neumeier beim Hamburg Ballett – das ist nicht nur mit seiner letzten Uraufführung (S. 31) verbunden und mit einem Filmporträt (S. 61), sondern auch mit einer Erstausstrahlung bei Arte: «Die Glasmenagerie» nach Tennessee Williams hat der Choreograf im Dezember 2019 (tanz 1/20) herausgebracht, mit einer fulminanten Alina...
