Politische Körper

Tanz - Logo

Politische Körper bringt Yvonne Hardt für den Ausdruckstanz der Weimarer Zeit ins Spiel und leistet damit die fällige Erweiterung der Diskussion von Tanz und Politik über den Nationalsozialismus hinaus. Selbst Tänzerin, läuft ihre Analyse zu Politische Körper. Ausdruckstanz, Choreografien des Protests und die Arbeiter­kulturbewegung in der Weimarer Republik entlang körperpoliti­scher Aspekte wie Rhythmus und Tanzpantomime, womit sie einen bewegungs­immanenten anstelle eines gesellschafts­ideologischen Blicks auf die beschriebenen Protagonisten versucht.

Dies gelingt überzeugend im zweiten Teil über Bewegungs-Chöre und Massentanz, verliert sich aber in der ersten Buchhälfte etwas, wenn Tänzer­cho­reografen wie Jean Weidt, Kurt Jooss oder die weniger bekannte Jo Mihaly vorgestellt werden. Reflektiert werden die wechselseitigen Einflüsse von Arbeiterbewegung und Tanz. Spannendes Neben­­produkt ist dabei die Darstellung der damals sehr breit geführten intensiven ästhetischen Debatten etwa zur Interdisziplinarität im Tanz, wie sie heute noch aktuell sind. Die Autorin zeichnet insgesamt ein differenziertes und materialreiches Bild der Ausdrucks­tanzkunst und ihrer linkspolitischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2005
Rubrik: Bücher, Seite 18
von Susanne Foellmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fette Raupen, gefräßige Wände

Beim NDT II, der Junior-Kompanie des Nederlands Dans Theater, sind 16 Tänzer engagiert, je acht Damen und Herren. Der Japaner Shusaku Takeuchi, in Den Haag kein Unbekannter, spannt alle 16 vor den Karren. Für sein 38-Minuten-Stück «Caterpillar», mit dessen Uraufführung NDT II einen «Rush» überschriebenen Vierteiler eröffnet, steckt er die Frauen in lange, bunte...

Die Akademie des Tanzes

Birgit Keil, die seit 1997 die Akademie des Tanzes (AdT) an der Mannheimer Musikhochschule leitet, sprüht vor Enthusiasmus. «Ich freue mich jeden Tag, dass ich hierher kommen darf». Die ehemalige Starsolistin des Stuttgarter Balletts tut alles, damit in der bereits 1762 als «Académie de Danse» gegründeten Schule eine Atmosphäre herrscht wie einst beim Stuttgarter...

Kim Brandstrup: der Märchenerzähler von vorgestern

Armer Andersen. Lebendigen Leibes begraben zu werden, war seine große Furcht. Sein Leben lang lag ein Zettel neben dem Bett mit den Worten: «Ich bin nur scheinbar tot». Nun zappelt er im Londoner Linbury Studio Theatre unter dem Leichentuch wie sein Zeitgenosse Philipp am Tisch. Und immer wieder wird es ihm über den Kopf gezogen. Bis die neun Tänzer der Arc Dance...