Kim Brandstrup: der Märchenerzähler von vorgestern

Über seine getanzte Anatomie des Dichters berichtet Lilo Weber

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Armer Andersen. Lebendigen Leibes begraben zu werden, war seine große Furcht. Sein Leben lang lag ein Zettel neben dem Bett mit den Worten: «Ich bin nur scheinbar tot». Nun zappelt er im Londoner Linbury Studio Theatre unter dem Leichentuch wie sein Zeitgenosse Philipp am Tisch. Und immer wieder wird es ihm über den Kopf gezogen. Bis die neun Tänzer der Arc Dance Company den Märchenerzähler in Hans Christian Andersen – The Anato­my Of A Storyteller von Kim Brandstrup aufleben lassen, samt all seiner Probleme mit der sexuellen Identität.

War er schwul, war er’s nicht?
Armer Dichter. Seine Figuren verfolgen ihn, holen ihn zum Tanz ab und machen sich  über ihn lustig. Schriftsteller, so könnte die Message von Kim Brandstrups Auseinandersetzung mit seinem Landsmann heißen, hört zu dichten auf! Eure Geschöpfe machen euch nur das Leben schwer. Es sind die Figuren aus «Die kleine Meerjungfrau», «Die Schnee­königin» und «Der Schatten»: die Nixe also, die sich ob ihrer Liebe zum Prinzen Füße geben lässt, die bei jedem Schritt höllisch schmerzen; der Junge Kay, der durch einen Splitter aus dem teuflischen Spiegel im Auge die Welt nur noch häss­lich sieht; der Dichter, der seinen Schatten zur ...

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Tanz Januar 2005
Rubrik: Hans Christian Andersen, Seite 42
von Lilo Weber

Vergriffen
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