Paul Lightfoot
Danach gefragt, was so bleiben sollte, wie es ist, und was sich innerhalb und außerhalb des Theaters ändern müsste, würde ich gerne mit einer Gegenfrage beginnen: Wer sagt eigentlich, dass wir uns ändern müssen? Veränderung – die unwiderlegbare Konstante in unser aller Leben – kann niemals erzwungen werden, sonst würden wir ihr nämlich mit Sicherheit zum Opfer fallen, anstatt sie zu meistern. Ich glaube allerdings sehr wohl an das Diktum, welches besagt, dass großen Veränderungen in der Regel ein Chaos vorausgeht.
Die außergewöhnlichen Umstände, in die unser gesamter Planet hineinkatapultiert worden ist, haben durchaus den Effekt einer Brandrodung gezeitigt: Nun können neue Triebe nachwachsen, und die Gelegenheit für uns ist gekommen, die Welt, die vor uns liegt, besser zu gestalten.
Mein berufliches wie mein privates Leben sind während der Corona-Krise gleichermaßen tief erschüttert worden, da diese mir lebhafter als je zuvor vor Augen geführt hat, was ich lernen muss, was ich besser machen kann, und was ich bereits weiß. Daher möchte mich ich gerne auf meine ganz persönlichen Erfahrungen und Einsichten berufen, um die richtigen Worte zu finden, wenn es darum geht, die kleineren ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 72
von Paul Lightfoot
Wenn Prinzessin Aurora im Rosen-Adagio von «Dornröschen» in Balance steht, wenn sie die Hände ihrer vier Bewerber jeweils für einen kurzen Moment loslässt, um in erhabener Ruhe auch ihren zweiten Arm über dem Kopf zu runden, dann ist das, vielleicht weil es derart selten in Perfektion geschieht, ein Moment echter Magie. «Bras en couronne» heißt die Armhaltung und...
Zum Auftakt möchte ich den Soziologen Bruno Latour zitieren mit einem Statement, das er im März 2020 veröffentlicht hat: «Wir müssen gerade jetzt dafür kämpfen, dass die wirtschaftliche Erholung nach der Krise das alte Klimaregime nicht wiederherstellt, gegen das wir bisher vergeblich gekämpft haben. Die Gesundheitskrise ist in etwas eingebettet, das keine Krise...
Die fundamentale Bedeutung, die zwischenmenschliche Berührung für uns Menschen hat, wird vielen wohl erst jetzt klar – in einer Krise, in der man sich nicht mehr berühren darf. All die kleinen Alltagsberührungen, zur Begrüßung, zum Abschied, aus Dank, als Anerkennung, als Aufmerksamkeit, als Trost, als Geste der Unterstützung – sie müssen wegfallen. Und...
