Paul Lightfoot
Danach gefragt, was so bleiben sollte, wie es ist, und was sich innerhalb und außerhalb des Theaters ändern müsste, würde ich gerne mit einer Gegenfrage beginnen: Wer sagt eigentlich, dass wir uns ändern müssen? Veränderung – die unwiderlegbare Konstante in unser aller Leben – kann niemals erzwungen werden, sonst würden wir ihr nämlich mit Sicherheit zum Opfer fallen, anstatt sie zu meistern. Ich glaube allerdings sehr wohl an das Diktum, welches besagt, dass großen Veränderungen in der Regel ein Chaos vorausgeht.
Die außergewöhnlichen Umstände, in die unser gesamter Planet hineinkatapultiert worden ist, haben durchaus den Effekt einer Brandrodung gezeitigt: Nun können neue Triebe nachwachsen, und die Gelegenheit für uns ist gekommen, die Welt, die vor uns liegt, besser zu gestalten.
Mein berufliches wie mein privates Leben sind während der Corona-Krise gleichermaßen tief erschüttert worden, da diese mir lebhafter als je zuvor vor Augen geführt hat, was ich lernen muss, was ich besser machen kann, und was ich bereits weiß. Daher möchte mich ich gerne auf meine ganz persönlichen Erfahrungen und Einsichten berufen, um die richtigen Worte zu finden, wenn es darum geht, die kleineren ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 72
von Paul Lightfoot
Die französischen Opern, allen voran die Opéra National de Paris, wurden bestreikt. Teilweise wochenlang, mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Bilanz. Es ging unter anderem um Sonderregelungen bei der Rentenreform, die nicht zuletzt auch die Pariser Tänzerinnen und Tänzer ein paar Privilegien kosten sollten. Nicht alle Welt hatte Verständnis für ihre...
Mit Sicherheit kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt in der künstlerischen Laufbahn einen der Shutdown erwischt hat. Mich hat er nach 25 Jahren Freelancing erwischt, just in einem Moment, in dem ich mich mit Top-Kompliz*innen etwas traue, nämlich große Gemeinschaften von Künstler*innen einzuladen für choreografisch-musikalische Fresken auf der Bühne oder, wie in...
Wenn Ballettdirektor Christian Spuck in seinen Vorstellungen im Opernhaus Zürich sitzt, beobachtet er regelmäßig Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich recht abenteuerlich gebärden. Sie biegen sich um eine Säule herum und lehnen sich in luftiger Höhe weit über die unteren Reihen hinaus, um mindestens ein bisschen etwas von der fabelhaften Darbietung des Ballett...
