Richard Siegal

Kunst der Zukunft

Wenn es stimmt, dass die Zukunft bereits eingetreten ist – wie der US-amerikanische Science-Fiction-Autor und Erfinder des Begriffs «Cyberspace» William Ford Gibson schon 1993 verkündet hat – so ist diese Zukunft (samt ihren Errungenschaften) heute recht breit gestreut. Und das zu unserem Vorteil. Bei der globalen Rolle rückwärts in den Cyberspace, ausgelöst durch den Anbruch des Zeitalters von Covid-19, hat sich herausgestellt, dass wir der Technologie eine Menge zu verdanken haben.

Trotz durchaus berechtigter Ängste, die von den Medien beobachtet und weiterverbreitet wurden, sollte uns allen inzwischen klar geworden sein, dass die Technologie eben auch eine Rettung für uns ist. Sie bildet, wie die Soziologin Sherry Tuckle es formuliert, das «Second Self» unserer Gesellschaften. Sie ist zum ­einen empfänglich für die Schwächen und Unzulänglichkeiten der menschlichen Natur, zum anderen fungiert sie als neue Zufluchtsstätte: Wir sitzen quasi am gemeinschaftlichen Herd, in trautem Miteinander, Schutz suchend vor dem viralen Sturm auf einem Territorium, auf dem wir als Spezies dauerhaft unser Lager aufgeschlagen haben.

Wirkliche Beziehungen

Man betrachte nur den rasanten Anstieg der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 90
von Richard Siegal

Weitere Beiträge
Samuel Wuersten

Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeiten beim Tanz an der Zürcher Hochschule der Künste und beim «Holland Dance Festival» in Den Haag stelle ich fest, wie schnell und lösungsorientiert an beiden Orten gearbeitet wird in Zeiten dieser einschneidenden ­Krise. Ich führe das weitgehend zurück auf die Kernwerte des Tanzes: beweglich, intensiv, ­kreativ, unermüdlich,...

Tim Plegge

Ich war gerade auf meiner Terrasse und habe dort völlig die Zeit vergessen. Ja, die Zeit. Über das Phänomen der Zeit denken wir wohl jetzt gerade alle nach. Mit dem Diktat der Berührungslosigkeit hat diese letzte Zeit uns alle möglichen Ängste gebracht, Verunsicherung, tiefe Traurigkeit. Aber auch viele Tage der Isolation, um nachzudenken. ­Unter anderem darüber,...

Erna Ómarsdóttir

Die Welt verändert sich, unsere Wirklichkeit verändert sich – kleine überraschende Abweichungen von der Natur, und wir als bedeutungslose Organismen versuchen, darauf zu reagieren und beharrlich weiterzumachen. Unsere Welt wird nicht aufhören, uns Sachen vor die Füße zu schmeißen. Schon in der Vergangenheit hatten wir Seuchen, Kriege und alle möglichen Krisen, von...