Parkett International: Skandinavien

Ganz und gar erstaunlich, wie viele Produktionen der Nordländer schon vor Corana ahnungsvoll von Viren, künstlicher Beatmung und Sterblichkeit gehandelt haben

Beschäftigt die GöteborgsOperans Danskompani Hellseher? Als ich im letzten Herbst durch das Werbematerial der Kompanie blätterte, stieß ich auf den Titel «Virus/Love. Contagious dance». Der Doppelabend wurde gegen Ende 2019 gezeigt, und beide Stücke kamen sehr gut an. Es scheint, als hätte die Kompanie ein ausnehmend glückliches Händchen für Themen: Fast alles, was in Göteborg produziert wird, trifft derzeit den Nagel auf den Kopf – auch wenn der erwähnte Abend natürlich nicht explizit mit dem Coronavirus zu tun hatte, das die Welt wenige Monate später heimsuchen sollte.

Das Skånes Dansteater in Malmö landete im zurückliegenden November einen großen Erfolg mit einer neuen Kreation von ­Örjan Andersson: Der Choreograf ließ «Mozart‘s Requiem» vertanzen. Mehrere schwedische Häuser rissen sich um die Produktion, doch das Virus durchkreuzte – bis auf Weiteres – die Tourpläne.

Im Rahmen eines Dreierabends mit Stücken von Jiří Kylián, Mats Ek und Ohad Naharin begeisterte das Ballett der Londoner Royal Opera das Stockholmer Tanzpublikum mit einem Programm, das Ausgelassenheit und Nachdenklichkeit gleichermaßen zu ihrem Recht verhalf. Qualität, so der bleibende Eindruck, muss nicht immer ...

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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Parkett International, Seite 144
von Nancy Westman

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