Bettina Wagner-Bergelt
An einem Mittwochmorgen sitze ich um sieben Uhr mit meinem Laptop im Garten, umgeben von einem grünen Dschungel. Absolute Stille. Ein makellos blauer Himmel. Amseln und Rotkehlchen zwitschern. Zum ersten Mal seit 35 Jahren im Homeoffice erlebe ich als im Theater tätige Ehefrau und Mutter zweier Kinder fast einen ganzen Frühling vom frühen Morgen bis zum späten Abend, vom ersten zarten Grün im März bis zum Flüggewerden der Schwalben unter unserem Dachfirst. Das Gefühl tiefster Ruhe und Entspanntheit würde ich mir gern bewahren.
Diese Idylle ist aber nur ein sehr kleiner Teil der Erfahrungen, die Corona mir und uns als Ensemble Tanztheater Wuppertal beschert hat. Corona, darüber gibt es keinen Zweifel, ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die wir bis heute nicht im Griff haben. In Staaten, in denen die verantwortlichen Politiker wenig Sensibilität für soziale Unterschiede, schlechte und ungerechte medizinische Versorgung haben oder gern schwadronieren und sich als Experten aufspielen, ignorant und verantwortungslos mit dieser Pandemie umgehen, geht das Sterben weiter, und die Zahlen steigen noch immer. Die Solidarität mit denen, die besonders gefährdet sind, die in unserem ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 80
von Bettina Wagner-Bergelt
Überall sind Klagen zu vernehmen, dass in der Öffentlichkeit nicht genug über Kultur geredet wird. Dass der oberste Kassenwart nicht ein paar Milliarden auf den Tisch haut und behauptet: Ein Euro (Kultursubvention) bringt vier zurück. In dieser Simplizität stand es in der «FAZ», die ich immer noch für ein seriöses Blatt halte. Im Ernst: Haben Sie schon jemanden...
Ritsch – an diesem Abend wird so manches Zündholz angerissen. Uns soll ein Licht aufgehen über die Auswirkungen sozialer Vereisung auf die Schwächsten. Doch dies ist kein Stück mit erhobenem Zeigefinger, sondern ein fantastisch glühendes Gesamtkunstwerk, ein Plädoyer für mehr Mitmenschlichkeit. Über zwanzig Jahre nach der Uraufführung 1997 in Hamburg ist Helmut...
Die Krise der letzten Monate hat mir durchaus positive Erkenntnisse beschert. Die abrupte Schließung unseres Theaters hat uns und unserem Publikum vor Augen geführt, dass der bis dahin als selbstverständlich erachtete fortwährende Vorstellungsbetrieb mit seiner anscheinend endlosen Kette von Premieren, Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen nicht...
