Bettina Wagner-Bergelt

Die Weite des Denkens bewahren

Tanz - Logo

An einem Mittwochmorgen sitze ich um sieben Uhr mit meinem Laptop im Garten, umgeben von einem grünen Dschungel. Absolute Stille. Ein makellos blauer Himmel. Amseln und Rotkehlchen zwitschern. Zum ers­ten Mal seit 35 Jahren im Homeoffice erlebe ich als im Theater tätige Ehefrau und Mutter zweier Kinder fast einen ganzen Frühling vom frühen Morgen bis zum späten Abend, vom ersten zarten Grün im März bis zum Flüggewerden der Schwalben unter unserem Dachfirst. Das Gefühl tiefster Ruhe und Entspanntheit würde ich mir gern bewahren.

Diese Idylle ist aber nur ein sehr kleiner Teil der Erfahrungen, die Corona mir und uns als Ensemble Tanztheater Wuppertal beschert hat. Corona, darüber gibt es keinen Zweifel, ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die wir bis heute nicht im Griff haben. In Staaten, in denen die verantwortlichen Politiker wenig Sensibilität für soziale Unterschiede, schlechte und ungerechte medizinische Versorgung haben oder gern schwadronieren und sich als Experten aufspielen, ignorant und verantwortungslos mit dieser Pandemie umgehen, geht das Sterben weiter, und die Zahlen steigen noch immer. Die Solidarität mit denen, die besonders gefährdet sind, die in unserem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 80
von Bettina Wagner-Bergelt

Weitere Beiträge
Richard Siegal

Wenn es stimmt, dass die Zukunft bereits eingetreten ist – wie der US-amerikanische Science-Fiction-Autor und Erfinder des Begriffs «Cyberspace» William Ford Gibson schon 1993 verkündet hat – so ist diese Zukunft (samt ihren Errungenschaften) heute recht breit gestreut. Und das zu unserem Vorteil. Bei der globalen Rolle rückwärts in den Cyberspace, ausgelöst durch...

Jo Fabian

Alles bleibt in dem Zustand, in dem sich nichts befand, bevor die Corona-Krise eine Korrektur unserer Umweltwahrnehmung vornahm. So paradox es klingen mag, man muss die Katastrophen begrüßen, die uns zwingen, neu auf das Eingefahrene zu schauen. Ohne Anlass fällt es uns besonders schwer, die Strukturen, in denen wir leben und arbeiten, zu verändern.

Aus der Angst...

Alain Platel

Ich zitiere sehr häufig einen Satz aus Amin Maaloufs Buch «Le Dé­règlement du Monde» («Die Auflösung der Weltordnungen»): In ­Krisenzeiten sollte man (viel mehr!) in Kultur, Wissenschaft und Bildung investieren, denn kreative Lösungen dürfen wir von den Banken nicht erwarten.

Das ist alles.

Weitere Antworten auf die Frage, was bestehen bleiben muss und was sich...