Panaibra Gabriel Canda in «Time and Spaces», Foto: Archiv

Panaibra Gabriel Canda

30 Tanzkünstler mit den besten Aussichten

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Panaibra Gabriel Canda arbeitet seit 1993 als Tänzer und Choreograf in Maputo/Mosambik und im Rest der Welt. Bei seinen zahlreichen Festivalauftritten in Europa wird man jedes Mal daran erinnert, dass intellektuell grundierter Tanz nicht zwangsläufig langweilig sein muss, sondern ganz lebensprall und humorvoll daherkommen kann. Panaibras berühmte «Marrabenta Solos» sind ein wirksames Antidot zum tristen Konzepttanz deutscher Prägung.

Sie beschreiben die politische Entwicklung seines Landes seit der Unabhängigkeit per Körpersprache, zeigen den kommunistischen, den totalitären, den demokratischen Körper entweder pur oder als avancierte Mischform. Das ist so gewitzt, intelligent und böse, dass man es immer wieder sehen möchte.

«(Un)official Language» ist ein Stück über die Unmöglichkeit, mit Sprache zu kommunizieren. Weshalb es besser ist, den Körper sprechen zu lassen. Ausgehend vom Turm zu Babel, dessen Bau mit bunten Holzklötzen evoziert wird, reicht die verbale Nichtkommunikation bis ins digitale Zeitalter. «Press 1 for English, press 2 for Portuguese» hilft wenig, wenn die Inhalte nicht kompatibel sind. Der Körper erinnert sich an Begebenheiten, die der Kopf vergessen hat. Ein Kind lernt Sprache durch die Nachahmung von Lauten, die afrikanische Muttersprache wird von der offiziellen (kolonialen) Sprache verdrängt, die Musik entwickelt sich aus unverbundenen Tönen. Es gibt viel zu sehen und zu hören in diesem Stück – und vor allem viel zu denken.

Dies sind nur die beiden jüngsten der vielen Werke, die Panaibra mit seiner Gruppe CulturArte über die Jahre geschaffen hat. Sie sind stets philosophisch und physisch zugespitzt, versuchen, die zerstörte Ganzheit von Kopf und Körper wiederzubeleben und organisch, nicht dogmatisch wiederzufinden. Und das gelingt ihnen sehr gut.



Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 168
von Renate Klett

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