Olaf Schmidt «Bluthochzeit»

Lüneburg

Tanz - Logo

Traurige Menschen geistern über Manuela Müllers Bühne. Yerma, die sich ein Kind wünscht und einfach nicht schwanger wird. Die Braut, die einen Mann heiraten soll, den sie nicht liebt, ihr Bräutigam, der ahnt, dass seine Frau einen anderen will. Der Dichter, dessen Begehren Ablehnung und Aggression hervorruft.

Olaf Schmidt hat für «Bluthochzeit» am Theater Lüneburg vier Dramen Federico García Lorcas ineinander verwoben und dazu noch die Biografie des Autors eingeflochten – und so einen Abend der scheiternden Beziehungen, der dysfunktionalen Geschlechterverhältnisse und der zerstörten Hoffnungen geschaffen. Einen Abend der traurigen Menschen.

Im Zentrum steht die titelgebende «Bluthochzeit», Figuren aus «Yerma», «Bernarda Albas Haus» und «Doña Rosita bleibt ledig» tauchen wie Gäste auf der unheilschwangeren Hochzeitsfeier auf. Das ist raffiniert gelöst und geht wahrscheinlich aufs Konto des vom Sprechtheater kommenden Dramaturgen und Co-Regisseurs Boris von Poser. Über diese Struktur hinaus aber übernimmt

Choreograf Schmidt: Alles wird hier über den Tanz erzählt, in genau gearbeiteten Szenen von überraschend großer Bandbreite. Es gibt also einen klassisch schönen Pas de Deux ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz 6 2022
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Klimatanz

Der Berliner Choreograf Christoph Winkler hat Pionierarbeit geleistet mit der interaktiven Website environmental-dance.com, die im März freigeschaltet wurde. Jetzt wird er sie beim Tanzkongress im Rahmen einer Lecture vorstellen. Winkler bringt Wissenschaft und Tanz aus aller Welt in Verbindung, um den Klimawandel erfahr- und sichtbar zu machen. Die Website zeigt...

Eyal Dadon, Yemi A.D., Sharon Eyal «BPM»

«bpm» – Beats pro Minute – der aktuelle Abend beim Ballett des Prager Nationaltheaters bezieht sich auf den Herzschlag und lässt sofort die Herzen des vornehmlich jungen Publikums höherschlagen. Was auch an den Sounds liegt, bei denen Klangwelten unterschiedlicher Herkünfte sich in mitreißende oder nachdenklichere Beats verwandeln.

«Artza» heißt die Uraufführung...

Ornament oder Drama

1999 hatte die erste große Rekonstruktion eines alten Klassikers Premiere, Sergei Vikharevs «Dornröschen» am Mariinsky-Theater. Historiker, Kritiker und Ballettmeister reisten nach Sankt Petersburg oder zu den wenigen Gastspielen der vierstündigen, personalaufwendigen Großproduktion, bewunderten zum ersten Mal die knielangen, üppigen Tutus, staunten über eine...