In Petipas Märchenreich
Ein Mann ordnet seine Angelegenheiten. Ende kommender Saison wird John Neumeier, dann 84 Jahre alt, seine Intendanz am Hamburg Ballett aufgeben, nach 50 Jahren am Haus.
Unter diesen Bedingungen klingt die Frage «Was bleibt?» weniger philosophisch als lebenspraktisch: Was möchte man von der eigenen Arbeit künstlerisch erinnert sehen? Also geht Neumeier seine beeindruckende Werkliste durch und überlegt: Was ist für die Nachwelt erhaltenswert? Was ist ein Schnellschuss? An was sollte man noch einmal rangehen? Zum Beispiel: «Dornröschen», entstanden 1978, rund 100 Jahre nach dem Originalballett von Marius Petipa zu Musik von Peter Iljitsch Tschaikowsky und in einer Ausstattung von Jürgen Rose. Neumeier hat die Produktion noch einmal angefasst, und das Ergebnis ist vom Hamburg Ballett als echte Premiere programmiert, nicht als Wiederaufnahme, nicht als Rekonstruktion der 78er-Arbeit. Keine wirkliche Neuproduktion, trotz vollständig neuem Ensemble, aber das Über- und Neudenken einer Choreografie.
Deutlich wird dieses Neudenken in einer strukturellen Entscheidung: Neumeier hat die zwei Pausen durch eine ersetzt, das macht den gut dreistündigen Abend temporeicher, und es bringt einen Zug ...
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Tanz 6 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 18
von Falk Schreiber
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