Moskau, meine Stadt

Binnen weniger Tage hat David Motta Soares, führender Solist des Bolschoi-Balletts, den Entschluss gefasst, Russland zu verlassen. Ein Gespräch über die Lage, seine Zukunft beim Staatsballett Berlin – und warum er Moskau vermisst

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David Motta Soares, wir sitzen in der sechsten Woche des Ukrainekriegs im Konferenzraum des Staatsballett Berlin. Das ist ihr neues künstlerisches Zuhause – nach zwölf Jahren in Moskau haben Sie hier als Principal unterschrieben. Wie kam es dazu?
Ich habe im vergangenen Jahr für «Orlando» mit Christian Spuck zusammengearbeitet, in den Rollen von Shelmerdine und Elisabeth I. Er hat mir angeboten, hier zu tanzen, wenn er die Direktion übernimmt.

Ich hatte schon vor dem Krieg geplant, meinen Aktionsradius nach Westen zu erweitern – wenn auch erst in einigen Jahren. Nach dem Angriff auf die Ukraine habe ich Christian kontaktiert. Ich habe sozusagen meine Lebensplanung umgeworfen.

Sie sind in Brasilien geboren, seit 2010 aber in Moskau ausgebildet worden. Zuletzt zählten Sie zu den führenden Solisten des Bolschoi, und das alles mit nur 25 Jahren – eine erstaunlich rasante Karriere. 
Die Entscheidung, 2010 als Zwölfjähriger an die Ballettschule nach Moskau zu gehen, war ehrlich gesagt nicht meine eigene. Meine Eltern und meine Lehrer haben das beschlossen, weil es eine einmalige Gelegenheit war – entweder jetzt oder nie! Ich sprach weder Russisch noch Englisch, ich habe erst einmal gar ...

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Tanz 6 2022
Rubrik: Ukraine-Krieg, Seite 48
von Dorion Weickmann

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