Motel Vibes

Runter von der Bühne, rein ins Buch

Vor vier Jahren standen die Zuschauer bei der Uraufführung im Festspielhaus Hellerau in Dresden noch auf einer Galerie und schauten von oben herab auf ein Paar, das sich gegenseitig die Einsamkeit vertreibt. Viel Raum war nicht in dem Zimmer, das Alexandra Börner einem amerikanischen Motel nachgestaltet hatte. Noch knapper bemessen war die Zeit, die beide hatten, um sich zu finden, sich vielleicht auch wieder zu verlieren.

Wie unterm Mikroskop wandten und wälzten sich Cindy Hammer und Rudi Goblen in ihren Emotionen, als wären sie choreografische Versuchsobjekte im Rahmen einer wissenschaftlichen Recherche.

Dem Blick von oben folgt jetzt der Blick nach innen, der distanzierten Performance eine Graphic Novel, die «Motel Vibes» auf eine andere, perspektivenreiche Weise nacherleben lässt. Bereits 2018 geplant und zum Teil textlich vorbereitet, zeigt sie die Choreografin aus Dresden und den Tänzer, Autor und Musikproduzenten aus Miami nicht nur im kämpferischen Clash zweier Körper, sondern vor dem Hintergrund einer realistisch erzählten Geschichte.

«Besonders reizvoll und in gewisser Weise auch herausfordernd bei der Umsetzung» fand der Leipziger Illustrator, Comiczeichner und Autor ...

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Tanz 6 2022
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Hartmut Regitz

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