Ohad Naharin: «Last Work»
Stille. Nein, da läuft jemand, immer noch, tap-tap-tap wie ein zu schneller Sekundenzeiger. Die Tänzerin auf dem Laufband hält nie an. Sie trägt ein Kleid, auf den letzten Metern hält sie eine weiße Fahne, Zeichen der Hoffnung. Nicht hier. Der Schluss von «Last Work», das Ohad Naharin 2015 für Batsheva schuf, rollt ein katastrophisches Bild aus. Mit Klebeband soll zusammengefügt werden, was sich der Verbindlichkeit stets entzieht: eine Gesellschaft unvernünftiger Leute. Dann sinkt die Tänzerin zu Boden, duckt sich unter die eigenen Hände.
Das Unheil schleicht sich schon zu Beginn an, mit den Vereinzelten, die sich klein machen, tief beugen, biegen, Wege abbrechen, zitternd auf Zehenspitzen staksen. Unverbindlich schwirren sie wie im Schwebezustand. Aus der Embryonallage gebären sie sich selbst. Sie greifen als Pulk nach Einzelnen, lassen sich erregen, gehen in Macht- und Bodybuilderposen, klappen Beine auf, krabbeln – aber die Gesichter richten sich ins Leere. Dann verhüllen sie sich, werden anonym, wie unbeschriebene Blätter. Lügen. Das alles bleibt mehrdeutig wie immer bei Naharin, scharfbitter-süß.
«Last Work» war nicht Naharins letzte Arbeit. Der berühmte israelische ...
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Rubrik: Menschen, Seite 24
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