Vereint
Zweieinhalb Stunden danach. Auf dem Weg zum Bahnhof, beschwingt von der Durchlaufprobe des Hessischen Staatsballetts, vom Gespräch mit dem Choreografen Ohad Naharin am Staatstheater Darmstadt. Zweieinhalb Tage später. Alles steht infrage. Jede Antwort. Jede Aussage. Im Morgengrauen des 7. Oktober haben Terroristen der islamistischen Hamas aus Israel ein Notstandsgebiet gemacht. Die reine Barbarei: Menschen ermordet, vergewaltigt, verschleppt. Israel schaltet auf Selbstverteidigung. In Nahost, analysieren Konfliktforscher, werden Waffen auf die Dauer nichts bewirken.
Jedenfalls keinen Frieden. Zweieinhalb Wochen, dann geht ein Riss durch die Welt. Eine Welle des Antisemitismus erfasst Deutschland. Als gäbe es keine historische Hypothek. Keine Shoah. Zugleich nehmen islamophobe Tendenzen zu. Schlag auf Schlag geraten Gewissheiten und Ideologien ins Schlingern Palästina, Israel, Gaza, Westjordanland – der Versuch, die Geschichte und das aktuelle Geschehen zu begreifen, beschäftigt Medien und gesellschaftliche Milieus. Treibt einen Keil in Familien und Freundschaften.
Zweieinhalb Monate vergehen, und Ohad Naharin schweigt. Am 11. Oktober hat er noch Fragen beantwortet, per WhatsApp. ...
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Tanz Januar 2024
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Dorion Weickmann
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