Vereint
Zweieinhalb Stunden danach. Auf dem Weg zum Bahnhof, beschwingt von der Durchlaufprobe des Hessischen Staatsballetts, vom Gespräch mit dem Choreografen Ohad Naharin am Staatstheater Darmstadt. Zweieinhalb Tage später. Alles steht infrage. Jede Antwort. Jede Aussage. Im Morgengrauen des 7. Oktober haben Terroristen der islamistischen Hamas aus Israel ein Notstandsgebiet gemacht. Die reine Barbarei: Menschen ermordet, vergewaltigt, verschleppt. Israel schaltet auf Selbstverteidigung. In Nahost, analysieren Konfliktforscher, werden Waffen auf die Dauer nichts bewirken.
Jedenfalls keinen Frieden. Zweieinhalb Wochen, dann geht ein Riss durch die Welt. Eine Welle des Antisemitismus erfasst Deutschland. Als gäbe es keine historische Hypothek. Keine Shoah. Zugleich nehmen islamophobe Tendenzen zu. Schlag auf Schlag geraten Gewissheiten und Ideologien ins Schlingern Palästina, Israel, Gaza, Westjordanland – der Versuch, die Geschichte und das aktuelle Geschehen zu begreifen, beschäftigt Medien und gesellschaftliche Milieus. Treibt einen Keil in Familien und Freundschaften.
Zweieinhalb Monate vergehen, und Ohad Naharin schweigt. Am 11. Oktober hat er noch Fragen beantwortet, per WhatsApp. ...
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Tanz Januar 2024
Rubrik: Menschen, Seite 20
von Dorion Weickmann
Das Ende als Anfang. In einem Prolog lässt uns Christian Spuck das Schicksal seiner «Bovary» ahnen. Noch ist seine Emma in dem Eröffnungsbild ausgespart: eine Leerstelle, die sich nach knapp zweieinhalb Stunden mehr oder weniger mit ihrem Tod gefüllt haben wird. Charles Bovary aber scheint von Anbeginn wie erstarrt, als ahnte er von vornherein alles Kommende. So...
Deutschland
On tour
«Shadowland!», magische Bildwelten zeigt das Pilobolus Dance Theatre: Bremen, Metropol Theater, 4. Jan.; Hamburg, Kampnagel, 5.–14. Jan.; Frankfurt, Alte Oper, 16. Jan.; Baden-Baden, Festspielhaus, 17., 18. Jan.; Dresden, Kulturpalast, 20., 21. Jan.; Stuttgart, Theaterhaus, 23.–28. Jan. www.bb-promotion.com
Augsburg Theater Premiere...
Als Terroristen Menschen beim Tanzen in Re’im ermordeten, gastierte Adi Boutrous in Potsdam. «Wir verstanden nicht, was da zuhause passiert», erzählt der Israeli, arabischer Christ, später. Sie tanzten dennoch. Es folgte eine Schweigeminute. Zu viel Schweigen mancherorts. Gastspiele israelischer Kompanien wurden abgesagt. Ein Grund: Theater können nicht für...
