Offene Wunden

Tanz - Logo

Die Kulturszene hat ein Problem mit Antisemitismus. Nicht erst, seit Stefanie Carps «Ruhrtriennale»-Intendanz 2018 vorzeitig endete, weil sich ihr Programm als massiv vom scharf israelfeindlichen BDS (steht für «Boycott, Divestment, Sanctions» gegenüber Israel) beeinflusst erwies. Nicht erst, seit das Berliner Musikfestival «Pop-Kultur» ins Kreuzfeuer zwischen Palästinaund Israel-Freund*innen geriet. Nicht erst, seit 2022 bei der «documenta 15» unmissverständlich antisemitische Kunst ausgestellt wurde.

Die Kulturszene hat aber auch ein Problem damit, angemessen auf diesen Antisemitismus zu reagieren.

Der Berliner Kultursenator Joe Chialo verlangt künftig, dass Künstler*innen, die sich um eine Förderung bewerben, eine sogenannte «Antidiskriminierungsklausel» unterschreiben, konkret: Wer gefördert werden will, muss sicherstellen, dass keine Gelder in «rassistische, antisemitische, queerfeindliche oder anderweitig ausgrenzende Ausdrucksweisen» fließen. Klingt erstmal gut. Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit will niemand, außerdem ist Chialo in der CDU, was ihm den Vorwurf einer typisch links-woken Verbotskultur erspart, und er ist dunkelhäutig, weswegen die Behauptung, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Bouché, Fukuda, Harush «Serenaden»

Von bedeutsam über wohltuend bis am Thema vorbei – «Serenaden» an der Opéra du Rhin in Straßburg lässt wenig offen. Es geht um die Auseinandersetzung internationaler Choreografen unserer Zeit mit George Balanchine. Bruno Bouché, Direktor und Chefchoreograf der Kompanie, hatte die japanisch-britische Tänzerin und Choreografin Brett Fukuda sowie den...

Kraftfeld der Kunst

Wann immer es in der Berliner oder deutschen Kulturlandschaft um Tanz geht, war und ist sie dabei – Nele Hertling, die «Grande Dame des Tanzes», wie sie respektvoll und bewundernd genannt wird. Diese wertschätzende Beschreibung trifft zu – Nele Hertling ist eine Instanz. Am 23. Februar dieses Jahres wird Nele Hertling 90 Jahre alt – und noch immer ist sie...

Trajal Harrell «Tambourines»

Raimund Hoghe war ein Poet der Bühne, ein Gourmet der Empathie mit realen, historischen Opfern von Krankheit, Nationalsozialismus oder Migration. Vor knapp drei Jahren verstarb er selbst. Seine Botschaft aber, dass zeitgenössischer Tanz auch ein Hort authentischer Gefühle sein kann, lebt unvermittelt wieder auf, wenn Trajal Harrell sich in «Tambourines» einer...