Trajal Harrell «Tambourines»

Zürich

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Raimund Hoghe war ein Poet der Bühne, ein Gourmet der Empathie mit realen, historischen Opfern von Krankheit, Nationalsozialismus oder Migration. Vor knapp drei Jahren verstarb er selbst. Seine Botschaft aber, dass zeitgenössischer Tanz auch ein Hort authentischer Gefühle sein kann, lebt unvermittelt wieder auf, wenn Trajal Harrell sich in «Tambourines» einer Frauenfigur aus der Literatur annimmt.

Hester Prynne, die in Nathaniel Hawthornes Roman «The Scarlet Letter» («Der scharlachrote Buchstabe», 1850) von dem Pastor des Ortes ein außereheliches Kind erwartet, wird von der zutiefst puritanischen Gesellschaft Neuenglands gebrandmarkt. Ein Opfer der Intoleranz. Ist ähnliches Gedankengut nicht heute wieder auf dem Vormarsch, fragt Harrell. Der in Georgia aufgewachsene Amerikaner, eine gute Generation jünger als Hoghe, machte ab 2011 mit ästhetisch aufmüpfigen und burlesken Stücken auf sich aufmerksam, die Untergrundkultur und die Ästhetik der Voguing-Szene mit dem zeitgenössischen Tanz in Verbindung setzten. Damals war er queer und wild, heute ist er queer, reflektiert und elegant (wofür er 2022 mit dem «Silbernen Löwen» der «Biennale di Danza» in Venedig belohnt wurde). Was auch ...

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Tanz Februar 2024
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Thomas Hahn

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