nicki liszta

Tanz - Logo

Die Stuttgarter Tanzszene ist ein starres Gefüge. Sie tut sich schwer im Schatten des Stuttgarter Balletts, der mit Eric Gauthiers Kompanie ­inzwischen bis ins Theaterhaus reicht. Die Nischen und Namen der ­freien Szene sind vertraut. So wirkte das Auftauchen von Nicki Liszta wie in einem Western, wenn ein Fremder durch die Saloontür tritt und den Colt auf den Tresen legt.

Tatsächlich fühlt man sich in Nicki Lisztas Stücken, als setze sie einem die Pistole auf die Brust.

In «Lux Protokoll» (2010) erwartete ihr Ensemble das Publikum zum düsteren Familienfest: Die Damen hatten die höchsten Absätze hervorgeholt, die Herren finsterste Anzüge und Mienen. Die Tanzfläche ist Flirt- und Kampfzone; was hier passiert, ist riskant zärtlich oder gefährlich brutal. Körper werden entblößt und verflochten, aggressiv gegeneinander und in den Raum geworfen. Kleider, Geschlechter, Opfer- und Täterrollen unterliegen einem permanenten Tausch. Um Wollust ging es Nicki Liszta beim Auftakt einer Reihe über die Todsünden, aber auch um die Grenzen familiärer Nähe.

Tanz von einer ungekünstelten Körperlichkeit, die einen mit vol­ler Wucht trifft: Nicki Lisztas Stücke sind Versuchsanordnungen, deren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 146
von Andrea Kachelrieß

Weitere Beiträge
Der Tanz nach dem Tanz

Tänzer sein

Angenommen, Sie wären dieser Körper, oder eher: Sie wären die Erfahrung dieses Körpers. Ein Tänzer. Das Licht, in dem Sie jetzt stehen, ist nicht das, was Sie auf der Bühne gewohnt sind, hier im Neonambiente einer Arbeitsagentur. Sie gehen den Flur entlang. Ihr Gang fühlt sich an wie der eines federnden Froschs. Sie laufen wie über eine Rampe, als hätte...

Choreologe

Notation als Sicherungskopie

Sorgen, was nach der Karriere kommen würde, brauchte sie sich nicht zu machen: Die Qualifikation für die Zeit danach hatte sie schon in der Tasche, bevor es überhaupt losging. Cherie Trevaskis, die Choreologin des Bayerischen Staatsballetts, ist ein Mus­terbeispiel für Transition, und das zu einer Zeit, als dieses Wort noch gar nicht...

gustavo fijalkow

Der Kompaniemanager der DIN A 13 tanzcompany hat ein klitzekleines Anliegen: die Gleichstellung sogenannter behinderter Tänzer mit Nichtbehinderten. Da hat er sich was Delikates ausgesucht. 99 Pro­zent der Menschen sahen noch nie einen behinderten Tänzer, einen, der mit einem Bein tanzt oder dies ohne Arme tut oder des Stehens nicht mächtig ist, dem also ein paar...