Der Tanz nach dem Tanz
Tänzer sein
Angenommen, Sie wären dieser Körper, oder eher: Sie wären die Erfahrung dieses Körpers. Ein Tänzer. Das Licht, in dem Sie jetzt stehen, ist nicht das, was Sie auf der Bühne gewohnt sind, hier im Neonambiente einer Arbeitsagentur. Sie gehen den Flur entlang. Ihr Gang fühlt sich an wie der eines federnden Froschs. Sie laufen wie über eine Rampe, als hätte man Ihnen im Winter den Mantel gestohlen. Wütend. Das hier ist nicht Ihr Ding. Sie sind ja nur hier wegen diesem …
Karrierebruch
Sie haben ihn erlitten. Sie sind raus aus dem Spiel. Sie tanzen nicht mehr.
Ihre Karriere bricht, wie ein Knochen bricht. Als Tänzer sind Sie es gewohnt, dass Schmerzhaftes passieren kann. Dann kommt der Arzt, und Sie werden in einem Bett durch ähnliche Flure gefahren wie diesen hier. Sie wissen schon lang, dass Ihr Schmerz Ihr Freund sein muss. Das Bein ist irgendwann wieder zusammengewachsen. Dagegen soll der «Karrierebruch eine unglaubliche Chance» sein, «er ist notwendig». Hat John Neumeier gesagt. Sie wissen nicht, was dieser berühmte Choreograf damit meint. Sie wissen nur, dass er die Treppe hinaufgefallen ist. Sie noch nicht.
Sie sollen etwas anderes werden
Sie haben nur nie darüber ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Jahrbuch, Seite 8
von Arnd Wesemann
Er übertrifft alles. Allein, wie sie die Bühne des «Jacob’s Pillow Dance Festival» betritt, zu sehen, wie sie augenblicklich die Aufmerksamkeit des Publikums fesselt, ist einfach unvergesslich. Es geht ein regelrechter Ruck durch die Menge. Man begreift: Es liegt etwas Besonderes in der Luft. Dieses Kraftwerk von Tänzerin, die Klarheit ihres Blicks und ihrer...
Wer in den vergangenen Jahrzehnten von zeitgenössischem Tanz sprach, dachte hoffentlich zuerst an Merce Cunningham. Seine Arbeit war essenziell, weil er es schaffte, ein genügend komplexes Körperbild herzustellen, dass den Selbstfindungsprozessen und dem Individualismus des 20. Jahrhunderts tatsächlich entsprach, nicht ohne selbst auch die Frage nach den Grenzen...
Das Flüchtige nicht im Ungefähren
Auf seinem Schreibtisch im Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT) steht ein hellgrünes Köfferchen: der «Choreografische Baukasten». An dessen Entstehung war Nik Haffner im Hintergrund mit beteiligt. Die kleine Kiste suggeriert, was künstlerische Bühnenarbeiter brauchen: Handwerkszeug (tools), Pflichten (tasks) und...
