Nicht Asche anbeten
Annette von Wangenheim, «Feuer bewahren – nicht Asche anbeten», Ihr Filmporträt von Martin Schläpfer, besticht durch einen Fluss ästhetischer, ruhiger Bilder. War das Herstellen auch so ein entspannter Hochgenuss?
Es war ein komplexes Projekt über vier Jahre. So einen Marathon durchzuhalten, bedeutet immer extreme Anstrengungen. Aber die Zusammenarbeit mit Schläpfer, ja, sie war grandios – künstlerisch und menschlich. Er hat seine Tanzwelt vor uns ausgebreitet, und die ist ja auch ästhetisch und ruhig.
Natürlich nicht nur, in seinen Balletten gibt es genauso explosive Energie, Brüche und Tiefen. Hierfür wollte ich eine adäquate filmische Form finden, denn gerade bei einem Porträt sucht man ja die Einheit von Form und Inhalt.
Sie halten sich im Film vollkommen zurück, überlassen Martin Schläpfer das Wort. Warum haben Sie dieses Konzept?
Das ist ein klar dokumentarischer Ansatz. Wenn ich in ein Kammerkonzert gehe, klage ich auch nicht darüber, dass das große Orchester fehlt. Wirklich dokumentarisch arbeiten heißt, dass kein Kommentar draufgelegt wird und die Protagonisten selbst erzählen, was sie denken und empfinden. Und er hat ja auch so viel Wichtiges zu sagen.
War der Verzicht auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Januar 2016
Rubrik: Produktionen, Seite 16
von Bettina Trouwborst
Eben noch erblüht der Morgen in seiner ganzen Farbigkeit, da lässt ein Donnerschlag den Stimmungsumbruch ahnen. Nicht dass Onegin Tatjana einfach im Regen stehen ließe, dafür ist der Nobelmann aus Sankt Petersburg Kavalier genug. Aber im gleichen Maße, wie er lesend ihr Liebesgeständnis verinnerlicht, knickt ihr Körper ein – gefaltet und geplättet wie der Brief,...
Nelisiwe Xaba stammt aus Soweto nahe Johannesburg in Südafrika. Vor einem Jahr war sie zu Gast im Schwarzwald. So wie sonst Europäer zu den rot gewandeten Massai nach Kenia reisen, erlebte Xaba hier, wie alemannische Ureinwohner schreckliche Stammestänze zelebrierten, die sie «Fasnet» nennen. Sie erlebte den Mummenschanz und sah grausig tanzende Masken. In den...
Ein Dutzend graumelierter Herren verlässt den Saal, in Begleitung sorgfältig coiffierter, mit Federputz und Perlenornat bekrönter Damen. «Schönen Abend noch», wünscht einer, bevor er hinausrauscht. Nein, so zivilisiert hat sich gewiss nicht abgespielt, was als Skandal in die Annalen des Balletts einging. Terence Kohler, der dem Publikum des Badischen Staatstheaters...
