Karlsruhe: «Das kleine Schwarze/The Riot of Spring»
Ein Dutzend graumelierter Herren verlässt den Saal, in Begleitung sorgfältig coiffierter, mit Federputz und Perlenornat bekrönter Damen. «Schönen Abend noch», wünscht einer, bevor er hinausrauscht. Nein, so zivilisiert hat sich gewiss nicht abgespielt, was als Skandal in die Annalen des Balletts einging. Terence Kohler, der dem Publikum des Badischen Staatstheaters die tumultuösen Umstände – «The Riot» − der Premiere von «Le Sacre du printemps» vor Augen führen möchte, traut sich nicht, den Hexenkessel zu schüren.
Wagt es nicht, die im Parkett verteilte Statisterie so laut krakeelen zu lassen, wie es die illustren Besucher bei der «Sacre»-Generalprobe im Mai 1913 taten. Stattdessen lässt der Choreograf ein Bürgertrüpplein abmarschieren, gerade so, als handle es sich um den vorzeitigen Abgang vom Elternabend infolge irgendwelcher Ärgernisse.
Das Problem guter Absicht und schlechter Umsetzung ist die Crux dieses Doppelprogramms, das zwei genialische Schöpfer und deren berühmteste Schöpfungen in einen Ballettabend zu packen sucht: die Modedesignerin Coco Chanel und das «kleine Schwarze», jenes weiland revolutionäre, weil so kurze wie schlichte Kleid; sowie ihren – wahr oder nicht ...
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Tanz Januar 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Dorion Weickmann
Berührungsängste gibt es in Leipzig jedenfalls nicht. Wenn in der Pause das Märchenpersonal der Gebrüder Grimm ausschwärmt ins Publikum, gehen selbst die kleinsten Zuschauer auf Tuchfühlung, und auch unter den größeren gibt es welche, die sich liebend gerne einmal ablichten lassen mit Hänsel und Gretel.
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Julyen Hamilton, Sie sind Tänzer, Choreograf und Dichter und haben sich die spontanste Form unter den Künsten zum Beruf gemacht. Mit Ihrer Improvisations-Methode reisen Sie seit 40 Jahren um die Welt.
Tatsächlich ist es so, dass ich gar keine Methode entwickelt habe. Ich habe lediglich meine Interessen praktiziert und verfeinert, als Performer und...
