New York City
Kyle Abraham mischt den Wortschatz des Tanzes auf, indem er Schwarze Idiomatik ins Ballett einfließen lässt und das klassische Genre damit in die Gegenwart holt. In «Cassette Vol. 1» gönnte er Taylor Stanley, Principal Dancer beim New York City Ballet (NYCB), eine wunderbare Szene. In Zeitlupe pustete ein Ventilator in kitschiger Hollywood-Manier Stanley ins (falsche) Lockenhaar: ein absoluter Glanzauftritt.
Auch am «Spring is Blooming»-Tag im Rockefeller Center raubte Abrahams Solo-Choreografie «to be seen» dem Publikum den Atem – nicht zuletzt dank des begnadeten Principal des American Ballet Theatre (ABT), Calvin Royal III, der zu den Klängen von Ravels «Boléro» mit einer geschmeidigen Fusion aus klassischer Linie und lokaltypischem Swagger begeisterte.
Das 92NY (vormals 92nd Street Y) bestückte sein gesamtes Jahresprogramm mit Choreografien von Frauen. Die Reihe trug den Titel «Women Move the World» und gipfelte in einer bejubelten Performance alter und neuer Arbeiten von Aszure Barton – ein Abend, der den produktiven und unerschrockenen künstlerischen Geist der Kanadierin unter Beweis stellte und zeigte, dass die Choreografin gegenwärtig zu den aufregendsten Vertreterinnen ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Parkett International, Seite 160
von Wendy Perron
Zwei Stunden komplett aus der Welt herausfallen? Kriege, Krisen und Konflikte wegblenden, abschalten, ausknipsen? Mit 70000 Fans im Berliner Olympiastadion abwechselnd auf einen Bühnenwinzling und zwei Riesenscreens starren, während die Füße wehrlos mittanzen – geht das? Ist das erlaubt, legitim und vertretbar angesichts einer Gegenwart, die ziemlich ungebremst auf...
Dass Körper nie nur Eines sind, ist nicht nur ein Erfahrungswert, sondern auch ein kulturtheoretischer Topos. Es gibt den ausschließlich tanzenden oder politischen, den ganz und gar sozialen oder den nur natürlichen Körper nicht, weder in der Theorie noch in der Lebenswelt. Spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts setzt sich das Denken explizit mit der Tatsache...
So richtig im Museum kommt das Publikum gar nicht an. Schon vor dem luftigen Foyer des Humboldt Forum biegt es links ab, in Richtung Saal 2 – die Studiobühne des umstrittenen Schloss-Nachbaus, der heute die einst in Dahlem untergebrachten ethnologischen Sammlungen beherbergt. Wie alle Kollektionen dieser Art sind sie unter postkolonialen Vorzeichen in die Kritik...
