Nervengeflecht
Pina Bausch hat einmal sehr emotional beschrieben, worin das Wesen des Tanzes besteht, als sie in ihrer Rede zur Verleihung des Kyoto-Preises 2007 über die Arbeit auf der Bühne und die Möglichkeiten künstlerischer Annäherungen an große, letzte Fragen sprach: «Es ist so, als bekämen wir dadurch ein Wissen zurück, das wir zwar immer schon haben, das uns aber gar nicht bewusst und gegenwärtig ist. Es erinnert uns an etwas, das uns allen gemeinsam ist. Das gibt uns eine große Kraft.
»
«Flow», Thema des Jahrbuchs 2025 der Zeitschrift tanz, will aus der Perspektive der Kunst eine Antwort auf die Verhärtungen und Frontenbildungen in der gegenwärtigen Weltlage, in Politik und Gesellschaft geben. Und was würde sich dazu mehr eignen als der Tanz? Die choreografischen Handschriften in Deutschland sind außerordentlich vielfältig, die künstlerischen Themen des Tanzes vielseitig. Genau wie Pina Bausch es ausdrückte, geht es dabei auch im zeitgenössischen Tanz immer um das, was wir aus der Literatur, aus dem Theater kennen – um die ganz großen Geschichten des Lebens nämlich.
Vor allem aber ist der Tanz eines – und das sehen wir heute eindrücklicher denn je: Er ist so international, wie kaum eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2025
Rubrik: Barrieren, Seite 54
von Monika Grütters
Es pumpt, pulsiert, bebt. Gliedmaßen zucken hervor wie Blitze in einer Hochspannungsleitung. Es ändert abrupt seine Richtung, manchmal entlässt es taumelnd und zappelnd einzelne Teile. «Es» – das ist ein Organismus ganz eigener Art. Eine mit irrsinniger Energie aufgeladene Kreatur, monströs, wunderschön. Oder weniger mystisch ausgedrückt: «Es» ist eine Gruppe von...
Bereits zum zweiten Mal ist die Wahl auf Marcos Morau gefallen: Wie schon 2023 ist der glänzende Metteur en scène aus Valencia auch in diesem Jahr zum «Choreografen des Jahres» gewählt worden. Mit Anfang 40 kann Morau eine so rasant wie steil verlaufende Karriere vorweisen. Sein unverwechselbarer Theaterstil ist frei von Selbstgefälligkeit und stößt bei einem...
Der professionelle Tanz im Vereinigten Königreich bezieht seine finanzielle Förderung aus einem Mix von staatlichen Subventionen (für die glücklichen Auserwählten), privaten Zuwendungen (für die noch Glücklicheren) und Einnahmen aus Ticketverkäufen (für diejenigen, die das Glück haben, auftreten zu können). Investitionen in die Künste werden dezentral über...
