Musenkuss
Elisa Badenes, Sie sind Erste Solistin des Stuttgarter Ballett – wann haben sie zum ersten Mal davon gehört, dass Sie in einem Film mitspielen werden?
Das ist sehr lange her, wir hatten ein Treffen mit dem Regisseur Joachim Lang. Wir dachten, wir drehen ein paar Ballettszenen oder machen eine Dokumentation, das kannten wir schon. Aber ein Film, ein echter Spielfilm? Ich dachte, ich werde auf den Arm genommen! Der Schock kam, als ich das Drehbuch las und sah, wie viel Text Marcia hat! Aber wir bekamen Schauspielunterricht.
Obwohl wir Tänzer in Stuttgart auch zu sehr guten Darstellern ausgebildet werden. Die Schauspiellehrer erwarteten, dass wir uns wie Ballerinen benehmen, mit viel Pathos und Grandezza.
Die waren überrascht?
Jedenfalls haben sie gestaunt, dass wir das Spielen bereits in der DNA haben. Die Darsteller hatten anfangs große Angst vor uns. Die hätte ich auch! Denn Schauspieler müssen durch Auditions – und sollen plötzlich ein paar Tänzern vertrauen, von denen sie überhaupt nichts wissen?
Was wussten Sie über John Cranko – jenseits seiner Werke?
Ich bin sehr jung hierhergekommen und bekam durch das Einstudieren der Stücke eine Ahnung davon, wie er mit seinen Tänzern ...
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Tanz Oktober 2024
Rubrik: Ballett im Kino, Seite 60
von Angela Reinhardt
Irgendwie gehört der Mann hierher, nach Paris. In Israel geboren, lebt er zwar seit Langem in Großbritannien. Trotzdem kehrt er regelmäßig zurück in die französische Kapitale, um mitten in ihrer bauhistorisch beschwingten Kulisse Stücke zur Uraufführung zu bringen, die der Gegenwart empfindlich auf den Zahn fühlen. Derart mitleidlos, dass es beim Zusehen schmerzt....
Sie kommen von weit her, wie Schatten im Nebel. Sieben Tänzer*innen bahnen sich langsam ihren Weg aus der Dunkelheit hinter der Bühne. Durch sanftes Gleiten entstehen weitbeinig langgezogene Silhouetten. Jede*r Interpret*in setzt einen eigenen Schwerpunkt. Eine Person bewegt sich im Hohlkreuz, eine andere dreht kleine Kreise, und eine dritte scheint unsichtbare...
Was für ein trauriger Mensch! Wir lernen John Cranko, den Mann mit den schwermütigen Augen, in einem Flugzeug kennen, und nein, es ist nicht der fatale Flieger, in dem er 1973 über dem Atlantik stirbt. Im schwarz-weißen Pepita-Jackett, das er so liebte, reist er zum ersten Mal von London nach Stuttgart, mit seiner Ankunft beginnt Joachim A. Langs Filmbiografie über...
